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Full text of "Der Kotillon. Ein Beitrag zur Sexualsymbolik"



Der Kotillon 

Ein Beitrag zur 

Sexualsymbolik 



von 



Dr. Alfred Robitsek 



Mit 20 Abbildungen 



Internationaler 
Psydioanalytisdier Verlag 

Leipzig /Wien / Zürich 



L/ 



INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG 

Wien VII. Andreasgasse 3 



SIGM. FREUD 

ZUR GESCHIC HTE DER 
PSYCHOANALYTISCHEN BEWEGUNG 

Geheftet M. 2.J0, Pappband 3. — 

Freud gibt einen Rückblick auf Bein Lebenswerk. Die Sonne seines Ruhmes steht im Zenith und mit 
erhabenem Selbstgefühl darf er als Motto vor die kleine Schrift den Wappenspruch der Stadt Paris 
setzen: Fluctuat nee mergitur. Wahrlich, Freud hat sich mit seiner Lehre über Wasser gehalten und 
lange Zeit schwamm er allein auf einem Meer von Unverständnis. (Wissen und Leben Zürich) 

Außer den individuellen Bekenntnissen der Traumdeutung das einzige, was der Begründer der Psycho- 
analyse persönlich hat verlauten lassen, und als Geschichte des schweren Kampfes einer extremen 
Forschungsrichtung interessant. (üeutsche Med. Wochensclxrift) 

Wer die Persönlichkeit Freuds nach dem Grundsatze „Le style c'est Phommo" unmittelbar auf sich 
einwirken lassen will, greife nach dieser kleinen Schrift. Abgesehen vom Inhalt — wer wüßte denn 
besser als Freud selbst, was die Psychoanalyse eigentlich; ist — fesselt die Abhandlung durch die 
Form, die den Sprachmeister Freud in Pathos und Ironie auf der Höhe seiner Kunst zeigt. Die über- 
legene Polemik gegen Adler und Jung sollte von jedem dreimal gelesen werden. (Neue Freie Presse) 

AUS DER GESCHICHTE EINER 
INFANTILEN NEUROSE 

Geheftet M. }jo, Pappband 4.20, Halbleinen f. — 

Freud hat es gewagt, aus der mehrjährigen Analyse eines ca. 80 jährigen Mannes die neurotische 
Kindheitsgeschichte herauszuarbeiten und diese mit ihren Wurzeln darzustellen . . . Wir wissen, 
wie das Genie des Autors vor mehr als zwei Jahrzehnten aus viel geringerem Material scheinbar 
kühne Schlüsse zu ziehen vermochte, die sich nachher bewahrheiteten, und werden uns deshalb hüten, 
einfach über seine Ansicht hinwegzugehen. Es gibt wohl keine Arbeit Freuds, die so wie die vor- 
liegende geeignet ist, in die weniger gewöhnlichen Gedankengänge des Autors einzuführen. 

(Prof. Bleuler in der Münchner Med. IVoclienschr..) 

Ein solch tiefer und wichtiger Beitrag zur Kenntnis vom Seelenleben des Kindes ist in der gesamten 
Literatur kaum mehr zu finden. (Volksstimme, Frankfurt) 

Zwingender als allgemeine Erörterungen bringt uns so eine ausführliche Krankengeschichte dem 
Wesen des Freudismus näher. Diese zum Teil nachträgliche Analyse einer Neurose, die beim vier- 

4" Ehrigen Kinde als Angsthysterie (Phobie vor geträumten Wölfen) begann, sich dann beim Knaben in 
rankhafte Frömmigkeit umsetzte und im jugendlichen Mannesalter schließlich den Charakter eines 
schweren Zwanges aufwies, hat auf ungeahnte Möglichkeiten der Psychoanalyse Licht geworfen und 
gehört daher zu den klassischen Schriften der Freudschen Psychologie und Sexualtheorie. Die vom 
ebenso kühn schürfenden wie skeptischen Verfasser mit sich selbst geführte Diskussion, ob die in 
der Analyse rekonstruierte Urszene (die Belauschung des elterlichen Geschlechtsverkehres) wirklich 
erlebt worden ist, oder ob die Phantasie des Kindes eine Anleihe hei dem Eriniierungsschatz der 
Gattung macht, wirkt als eine apirituelle Höchstleistung auf steilen Graten der Erkenntnis geradciu 
spannend and atemberaubend. (Nation) 

EINE TE U FE LS N E UR O S E 

IM 17. JAHRHUNDERT 

Geheftet M. v8o, Pappband 2'40 

Die neurotischen Erkrankungen früherer Jahrhunderte traten in dem dämonologischen Gewände des 
Bewußtseins usw^ auf. Hinter der Fassade kann man die gleichen Mechanismen der Neurose erkennen 
wie heute. Die Dämonen sind böse, verworfene Wünsche, Abkömmlinge verdrängter Triebregungen. 
Dies wird sehr reizvoll, etwas feuilletonistisch, an der Geschichte eines um 1700 verstorbenen Malers 
[Christoph Haitzinann] dargetan, dessen Teufelspakt, Befreiung durch ein Wunder der Mutter Gottes 
von Maria-Zell_ (1677) und weiteres Schicksal sind in einem an dem Gnadenorte Maria-Zeil aufgefundenen 
geistlichen Berichte aus dem Jahre 1714, der von dem Maler selber illustriert wurde, ausführlich erzählt. 
Wie man ein religiöses Schicksal psychoanalytisch anfassen kann, ohne platt, trivial, unehrfürchtig zu 
werden: dafür ist das Schriftchen ein feinsinniges Beispiel. Die Grazie der Darstellung bietet überdies 
einen literarischen Genuß. (Arcliiv für Frauenkunde) 



. 



V_7 



Der Rotillon 

Ein Beitrag zur 

Sexualsy mb olik 



Von 



Dr. Alfred Robitsek 

(Wien) 



Sonderabdruck aus der „Imago, Zeitschrift für Anwendung der 

Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften" , 

Bd. XI (i 9 25) 



*9 2 5 

Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Leipzig / Wien / Zürich 






Alle Rechte, 
insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten 



Copyright 1925 

by „Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Ges. m.b.H.", Wien 







INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



Druck: Christoph Reisscr's Söhne, Wien V 



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Die gesellschaftliche Sitte ist das Produkt einer langen Kulturentwicklung 
im Sinne der Triebverdrängung; die Formen, die den gesellschaftlichen 
Verkehr zwischen den Geschlechtern bestimmen, sind Resultat der Sexual- 
verdrängung. Man kann diesen Prozeß demjenigen vergleichen, welcher 
der Zwangsneurose und ihrem Zeremoniell zugrunde liegt: diese entsteht 
durch die Verschiebung des Affektes von einem Wesentlichen auf ein 
Nebensächliches, das durch diesen Vorgang seine Bedeutung und den Zwangs- 
charakter erhält, während das Wesentliche affektentkleidet und vergessen 
wird. Ähnlich können wir uns die Entstehung des gesellschaftlichen Zere- 
moniells vorstellen: ein langer Kulturprozeß verschiebt einen Teil des Affektes 
vom Wesentlichen, das jedes Verhältnis zwischen den Geschlechtern bestimmt, 
der Sexualität, auf ein Nebensächliches, das erst geschaffen wird, das Zere- 
moniell, die Sitte, deren strenge Einhaltung von der Gesellschaft erzwungen 
wird. Die „Amnesie" besteht bei diesem gesellschaftspsychologischen Prozeß 
darin, daß sich der gesellschaftliche Verkehr offiziell so abspielt, als gäbe 
es keine Sexualität. Es .scheint, als hätte diese Verdrängung ihren Tief- 
stand erreicht und wäre im Zurückgehen begriffen. Der Verkehr der Jugend 
ist ein freierer, natürlicherer geworden, doch offiziell verpönt die Sitte jede 
Anspielung auf die geschlechtlichen Beziehungen. Eine strenge Zensur 
herrscht, ein jeder ist Zensor. Wie die Inzestverdrängung die Familie er- 
möglicht, ein Vorgang, der, wie die Psychoanalysen zeigen, noch immer 
fluktuierend ist, so beruht die gesellschaftliche Sitte auf der Sexualverdrän- 
gung. Im Kampf zwischen Trieb und Verdrängung, Lebensnotwendigkeiten 
und Forderungen der Sitte bilden sich Kompromisse, Gelegenheiten, bei 
denen die Zensur nachläßt, öffentlich ein sexueller Kontakt erlaubt ist, dem 



Dr. Alfred Robitsek 



le 
e 



Triebe — unter den strengen Augen der Gesellschaft und unter strengem 
Zeremoniell — eine „motorische Abfuhr" ermöglicht wird: wir meinen 
den Tanz. Es wäre Gemeinplatz, den sexuellen Charakter des Tanzes und 
besonders seiner heutigen Formen erst betonen zu wollen, er ist ein künst- 
lerisches, ein Sublimierungsprodukt der Verdrängung der Sexualität durch 
die Kultur, doch bemerken wir an ihm, den wir als sexuelles Äquivalent, 
als Ersatzhandlung auffassen, Ähnlichkeiten, Beziehungen zu dem ersetzten 
Sexualakt, ganz wie bei sonstigen Verschiebungen im Psychischen: die oft 
starke Erregung vor dem Balle, das festliche sich Schmücken der Frau 
(eine vorbereitende Handlung, die viel Affekt an sich zieht, oft den gesamten, 
so daß sie „das einzige Vergnügen des Balles", Selbstzweck wird und so ganz 
den Charakter der Perversion erhält), die Werbung des Mannes um den 
Tanz, die Gewährung der Frau, die enge körperliche Umschlingung und 
besonders die rhythmische Bewegung. 1 Der Gesichtsausdruck der leiden- 
schaftlichen Tänzerin ist der des sexuellen Orgasmus. Auch sonst hat d 
Lust an rhythmischer Bewegung, wie Wiegen, Schaukeln, Reiten, ihre sexuell 
Komponente. 2 Der tiefste Grund dieser Lust am Rhythmus dürfte sein daß 
dieser ein wesentlicher Charakter des Lebens ist. Als Rhythmus bezeichnen 
wir eine mit den Sinnen wahrnehmbare, regelmäßig unterbrochene Bewe- 
gung oder einen Ausdruck für diese. In der anorganischen, leblosen Welt 
finden wir keinen Rhythmus; die großen Rhythmen der Weltkörper- 
bewegungen und die kleinen der Luft- und Ätherschwingungen sind mit 
unseren Sinnen nicht wahrnehmbar. Ein wirklicher Rhythmus tritt erst 
mit dem organischen Leben in die Natur: der Herzschlag, die rhythmische 
Blutzirkulation, der Atem und die Periodizität sind sein Ausdruck, rhythmische 
Erscheinungen sind auch das Gehen und Fliegen. Für unser Thema am 
bedeutungsvollsten sind die rhythmischen Erscheinungen des Sexualaktes. 
Die Lust am Rhythmus des Tanzes ist Lust am Leben, Sexuallust. In der 
historischen Entwicklung des Tanzes können wir ein Nachlassen der Ver- 
drängung, ein dem symbolisierten Sexualakt immer Ähnlicherwerden be- 
obachten. Die Zeit des mittelalterlichen Reigens ist die der Beherrschung 
des menschlichen Lebens durch die Kirche, die der gewaltigste Ausdruck 
der Sexualverdrängung ist. Auf den Reigen folgten die Rundtänze. Wie 
anstößig der uns heute so selbstverständliche Walzer einst wirkte, mag ein 



i) Die Sprache identifiziert Tanz und Sexualleben, indem sie •/.. B. das Schicksal 
der alten Jungfer und des „Mauerblümchens" mit demselben Wort „Sitzenbleiben" 
bezeichnet. 

2) Vgl. Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, S. 98. 



Gedicht des Dichters von Rohr aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts 
(zitiert nach der Frankfurter Zeitung vom 26. Juli 1910), illustrieren: 

Was erblick ich? Dieses wilde Schwingen, 
Wo sich Mann und Mädchen dicht umschlingen, 
Das, das wäre deutscher, deutscher Tanz? 
Deutsches Volk! Gewöhnt an Edeltaten, 
Groß im Kriege, groß in Lanzensaaten, 
Deutsches Volk! oh, dich verkenn' ich ganz. 

Grazie und Anmut in dem Schritte, 

Leichte Wendungen in jedem Tritte 

Sind des Tänzers schönes Ideal. 

Oh! Wie können denn in deutschen Tänzen 

Wilde, wüste Schwingungen noch glänzen 

Die ihr Schöpfer von Mänaden stahl. 

Ja! Die Weiberschaar, die einst beim Sänge 
Rauher Lieder, horchend nicht dem Klange 
Sanfter Töne, Orpheus' Herz zerschnitt; 
Sie, sie drehten sich in solchen Kreisen, 
Und, beistimmend ihren wilden Weisen, 
Tanzten Tiger da und Löwen mit! 

Aber deutscher Mädchen sanfte Herzen, 

Hoch sonst klopfend aus der Unschuld Scherzen, 

Wie? Sie beben nicht mit scheuem Blick 

Vor der wilden Walzer dichten Reihen, 

Die des Tanzes Grazie entweihen, 

Vor den wüsten Orgien zurück! — 

Ach! Des Tanzes Muse steht von ferne, 
Sie, die muntrer Tänzer Reih'n so gerne, 
Gerne holde Tänzerinnen sieht; 
Schweigend steht sie und in düstern Blicken 
Trüben Mißmut kehret sie den Rücken 
Diesen wilden Tänzen, und — entflieht. 

Möchte sie doch bald uns wiederkehren, 
Möchten wir auf ihre Stimme hören, 
Die, indem sie flieht, uns noch ertönt: 
„Dann erst, wenn bei sanften Reihentänzen 
Euch die Grazien mit Rosen kränzen, 
Dann erst ist Terpsichore versöhnt!" 

In den Tänzen, die der Anfang dieses Jahrhunderts gebracht hat, tritt 
der sexuelle Charakter kaum verhüllt zutage; ein Beispiel für das allgemeine 



Dr. Alfred Robitsek 



Gesetz, daß bei langer Dauer eines Ersatzsymptoms dieses die Charaktere 
des Ersetzten annnimmt. In der Verdrängung tritt das ursprünglich Ver- 
drängte wieder hervor (Freud). 

Heutzutage hat der Tanz viel von seiner Bedeutung, seinem Affekt ein- 
gebüßt. Hören wir, was ein gewiß nicht der Philistrosität verdächtiger 
Zeuge, Marcel Prevost, sagt: „In früherer Zeit traf sich die Jugend 
beiderlei Geschlechts nur im Ballsaal. Auf der Straße erlaubte man ihnen 
kaum, miteinander zu reden; beim Tanze warf man dann das Mädchen 
in die Arme des Tänzers. Heute verbringt die Jugend einen großen Teil 
ihrer Zeit gemeinsam; alle ihre Bewegungsspiele nähern sie einander" usw.' 
Tatsächlich hat der Sport die Sitten völlig verändert. Jene seelische Spannung, 
welche die Stimmung vor dem Balle charakterisierte, kann kaum mehr 
zustande kommen. Immerhin gilt das strenge Zeremoniell noch für breite 
Schichten. 

Wir haben bisher versucht, die Beziehung von gesellschaftlichem Zere- 
moniell und Tanz zur Sexualverdrängung nachzuweisen; eine weitere Be- 
ziehung finden wir in einer gewissen Ähnlichkeit des Tanzes mit dem 
Traum, und zwar finden wir sie in der „Herabsetzung der Zensur". Der Traum, 
„die verkleidete Erfüllung eines verdrängten Wunsches", wird durch Herab- 
setzung der endopsychischen Zensur im Schlafzustande ermöglicht. 3 Betrachten 
wir die Vorgänge des Tanzes im Vergleich zur sonstigen Sitte : Sonst streng 
Verhülltes wird entblößt, der Tänzer darf seine Tänzerin öffentlich eng 
umschlingen, Tänzer und Tänzerin fliegen aus einem Arm in den anderen; 
es gibt Tänze, die dies direkt symbolisieren (Sir Roger). Auch die „Damen- 
wahl", die der Tänzerin die erotische Initiative gestattet, ist ein Sym- 
ptom der herabgesetzten Zensur. Es gibt aber einen Tanz, bei dem wir 
noch viel weiter gehende Ähnlichkeiten mit dem Traum finden; dies ist 
der Kotillon. Er besteht aus einer Reihe von „Tänzen", die mit großer 
Phantasie und Vielfältigkeit darstellen, — daß jeder Hans seine Grete 
bekommt und die immer mit einem Rundtanz enden, der symbolisch die 
Vereinigung darstellt. In tausend Formen, Spielen, Verkleidungen werden 
Werbung, Hindernisse, Gewährung, Zurückweisung, kurz Erotik dargestellt. 
Der Kotillon war lange Zeit hindurch der Höhepunkt eines jeden Balles, 
erst in der letzten Zeit, der natürlicherer Umgangsformen der Geschlechter, 
kommt er aus der Mode; er erscheint wie ein Überbleibsel des Vormärz' 



1) Frankfurter Zeitung vom 24. Juli 1910. 

2) Freud: Traumdeutung, 2. Aufl., S. 323. 



Der Kotillon 



dem erst das moderne Leben den Garaus macht; doch steht er in konser- 
vativen Gesellschaftsschichten noch in Ehren. Die Herstellung der mannig- 
fachen beim Kotillon verwendeten Gegenstände beschäftigt eine ganze In- 
dustrie, die besonders in Deutschland blüht. Die meisten „Touren machen 
einen kindischen Eindruck, doch müssen wir sie als Produkte der mensch- 
lichen Phantasie so ernst nehmen, wie die Träume, denen wir sie ver- 
gleichen wollen. Wir fanden, daß eine herabgesetzte Zensur dem unter- 
drückten Triebleben im Traum wie im Tanz einen symbolischen Ausdruck 
gestattet. Der Phantasie gestattet die Zensur, dort das Traumbild, hier die 
Kotillonfigur zu schaffen, deren Ähnlichkeit mit dem Traum wir in der 
unbewußten Sexualsymbolik und in den psychologischen Mechanismen 
nachweisen wollen. Man wird einwenden, daß die Figuren ja nicht von 
der Phantasie der Tänzer im Ballsaal improvisiert, sondern im nüchternen 
Alltag erfunden werden, doch braucht die Phantasie die wirkliche Situation 
gar nicht, sondern stellt die notwendigen psychischen Bedingungen durch 
Identifizierung her. Das erotische Motiv, das zahlreichen Träumen zugrunde 
liegt, ist hier das ausschließliche; wir werden sehen, daß zahlreiche schein- 
bar ganz harmlose Touren dem psychoanalytisch Geschulten eine geheime 
erotische Symbolik zeigen. Wesentlich ist, daß diese ein Produkt des 
Unbewußten ist, wie die Traumsymbolik, mit der sie identisch ist. Auch 
bei anderen Produkten der Phantasie, den Märchen und Mythen, dem Witz, 
dem Folklore, dem Couplet, begegnen wir einer ähnlichen erotischen Symbolik. 
Das Gemeinsame ist, daß die Zensur der Phantasie gestattet, das Sexuelle 
anzudeuten, aber nicht auszusprechen. Dieser Kompromiß, der Trieb und 
Verdrängung befriedigt, stellt für einen Augenblick ein Gleichgewicht her, 
das wir als Lust empfinden. 

Es steht zu erwarten, daß die folgenden Analysen beim Leser alle Grade 
der Unlust vom Zweifel bis zur Entrüstung hervorrufen werden. Solche 
Unlustgefühle können als Beweis für die Richtigkeit der Deutungen be- 
trachtet werden. Der Reiz des Kotillons besteht darin, in symbolischer, 
nur für das Unbewußte verständlicher Form darzustellen, was die strenge 
Sitte auszusprechen verbietet. Wird nun dieses Unbewußte durch die Ana- 
lyse bewußt gemacht, so rächt es sich durch Entbindung von Unlust. Der 
Autor fühlte dies bei der Analyse gerade der Figuren mit der gelungensten 
Symbolik, bis er begriff, woher die Unlust kam. Sein Unbewußtes verstand 
die Symbolik sogleich und bei der Analyse wurde sie dann wie ein Pro- 
dukt der eigenen Phantasie empfunden. 

Bemerkenswert ist der Charakter der Absurdität vieler dieser Touren. 



Dr. Alfred Robitsek 



Auch dies dürfte als Ähnlichkeit mit dem Traume anzusehen sein. Es 
sind eben Phantasieprodukte, die unter schwierigen Bedingungen entstehen ; 
die Absurdität entspricht dem Kompromiß zwischen der Tendenz, Sexuelles 
darzustellen und der Entstellung durch die Zensur. Man darf hier also 
keinen anderen ästhetischen Maßstab anlegen, als an den Traum. 

Wir wollen nun zunächst die Symbolik der Figuren deuten, dann ihre 
traumähnlichen Mechanismen zeigen, hierauf die allgemeinen psycholo- 
gischen Motive und Charaktere hervorheben. Die Symbolik ist mehr oder 

minder deutlich, je nach dem Grade 
der Sexualverdrängung — wie in den 
Träumen. Die folgenden Figuren sind 
eine kleine Auswahl aus einem viel 
größeren Material; sie sind nach der 
Ähnlichkeit der Symbole geordnet, 
stammen aber von ganz verschiedenen 
„Autoren" ; ihre Ähnlichkeit zeigt die 
Determiniertheit der menschlichen 
Phantasie. Einige Originalabbildungen 
aus den Katalogen illustrieren die Sym- 
bolik in besonders deutlicher Weise. 1 

1) Die Tänzer tragen Degen, die Tänzerinnen mit Papier überzogene 
Reifen. Sie werfen ihre Reifen den Tänzern zu, die sie mit den Degen auf 
fangen und durchbohren (Abb. 1). 

Der Degen als männliches Symbol ist aus den Träumen bekannt. Diese 
Phantasie symbolisiert die Defloration; den Tänzerinnen ist zum Zweck 
der Verschleierung der Symbolik die aktive Rolle zugeteilt. 

2) „Diskuswerfen." Die Tänzerinnen führen Lanzen. Ein Tänzer tritt mit 
dem Diskus — einem mit Papier überspannten Reifen — an und rollt ihn 
der Damenreihe entlang; diese werfen mit ihren Lanzen nach dem Diskus; 
wer ihn durchbohrt, wird die Tänzerin des Diskuswerfers (Abb. 2). 

Eine ähnliche Deflorationssymbolik, wie in Beispiel 1 . Da die Symbolik 
schon sehr deutlich ist, werden die Rollen zum Zwecke der Entstellung 
(wie beim Traum) vertauscht. Die Frau führt die männliche, der Mann 
die weibliche Rolle durch. 




Abb. 1 



1) Die Touren und Abbildungen sind den Katalogen der Firmen: J. C. Schmidt 
in Erfurt; N. L. Chrestensen in Erfurt und G. Danner in Mühlhausen entnommen. 



= 111 



Der Kotülon 





}) Die Tänzerinnen tragen große Papierscheiben als „Schmetterlingnetze" 

und werfen sie den Tänzern, die Schmetterlingsflügel tragen, über den Kopf; 

4) sie führen große Spinnennetze aus Papier und fangen damit ihre Tänzer. 

Hier wird nebst der Defloration das Einfangen des Mannes angedeutet; 
die Überdeterminierung, mehrfache Bedeutung von Symbolen ist aus den 
Traumanalysen bekannt. Der Mann 
als Schmetterling, als Fliege wird uns 
noch öfter begegnen. 

jj Die Tänzer verbergen das Gesicht 
hinter Papierscheiben, die sie dann mit 
dem Kopfe durchreißen (Abb. 3). 

Hier wie auch schon an Beispiel 5 
und 4 beobachten wir die in der Traum- 
symbolik bekannte „Verlegung nach 
oben" : Der Kopf spielt eine phalli- 
sche Rolle. Im folgenden Beispiel erhält 
die ganze männliche Gestalt diese Be- 
deutung : 




Abb. } 



6) Hinter einem mit Papier bespannten Reif steht die Tänzerin ; der Tänzer 
muß, um zu ihr zu gelangen, durch den Reif springen. 

Die folgenden Beispiele zeigen die Verwendung von Kinderspielen zur 
Sexualsymbolik, ein Motiv, das uns noch beschäftigen wird. 

j) „Crocraet : Die Tänzer versuchen, Bälle durch einen Bogen zu schlagen. 
Der Sieger darf sich eine Tänzerin wählen. 

8) Die Tänzer führen Stäbe, mit denen sie Ringe auffangen, die ihnen die 
Tänzerinnen zuwerfen. 



io Dr. Alfred Robitsek 



<)) „ Ringstechen " : Eine hohe Stange trägt Bänder, an deren Enden sich. 
Ringe befinden. Die Tänzerinnen halten die Ringe; die Tänzer suchen diese 
mit ihren Degen zu durchbohren. 

Alle bisher angeführten Figuren deuten Koitus oder Defloration an; das 
Gemeinsame ist das Eindringen und Zerreißen. Zahllose andere Figuren 
bei denen eine Wand, eine Hülle usw. zerrissen wird, enthalten nebst 
anderen Bedeutungen die Deflorationssymbolik in entstellterer Form, z. B. 

10) „Sonnenaufgang." Eine blaue Papierwand mit runden Ausschnitten 
stellt den Himmel dar; die Tänzer mit einem Strahlenkranz erscheinen als 
Sonnen in den Ausschnitten und zerreißen dann die Wand. 

Eine „kosmische" Symbolik, wie sie auch sonst vom Unbewußten z. B. 
in der Neurose 1 produziert wird. 

1 1) „Der Tag." Die Tänzer verbergen sich in Hüllen, die ein Kalender- 
blatt tragen. Jede Tänzerin wählt einen Tag und reißt das Kalenderblatt ab 
hinter dem der Tänzer erscheint. 

Gemeint ist der Hochzeitstag, die „verhüllte Zukunft". 

12) Die Tänzer stecken in Hüllen, welche zielende Soldaten vorstellen. Auf 
das Kommando „Feuer" zerreißen sie die Hüllen und ergreifen die Tänzerinnen 

Auf die Symbolik des Schießens kommen wir noch zurück. 

Iß) Die Tänzerinnen ziehen Ballons an Bändern nacli sich. Die Tänzer 
verfolgen sie und suchen die Ballons zu zertreten. 

Eine Deflorationssymbolik, die den Charakter des Gewaltsamen deutlich 
zeigt. 

In den folgenden Figuren finden wir eine Menge sexueller Symbole, 
die uns aus den Träumen, den Redensarten, Volksgebräuchen, dem Märchen, 
dem Witz usw. bekannt sind. 

Schuh und Pantoffel sind weibliche Symbole, die uns auch in der 
Psychopathologie (Schuhfetischismus), der Traum Symbolik 2 usw. begegnen. 
Die Symbolik kommt durch eine „Verlegung nach unten" zur erogenen 
Fußzone zustande: 



1) Vgl. Rank, Ein Traum der sich selbst deutet (Jahrb. f. psa. Forschungen II, S. 534.) 

2) Vgl. St ekel: Die Sprache des Traumes, S. 146. Auch die orientalische Traum- 
deutung kennt den Pantoffel als weibliches Symbol (ben Sirine). Vgl. auch Aigremont: 
Fuß- und Schuhsymbolik; ferner Kleinpaul: Das Leben der Sprache I, S. 308. 
Seligmann (Der böse Blick, Berlin 1910) führt den Schuh als Amulett gegen den 
bösen Blick an. II, S. 227. 



Der Kotillon 



1 1 



14) Tänzer und Tänzerinnen tragen kleine Damenschuhe in gleichen Farben. 

Ij) Die Tänzerin trägt eine Tüte mit einem Pantoffel und einem Körb- 
chen; den Pantoffel erhält der Erwählte, den Korb der Zurückgewiesene. 

16) Die Tänzer erscheinen mit großen 
Pantoffeln, die Kopf und Oberleib bedecken. 1 
(Abb. 4.) 

Hier wie auch in Beispiel 6 hat der 
ganze Mann phallische Bedeutung. 




I 7) Die Tänzer tragen Schuhe, aus denen 
die große Zehe hervorsieht, auf dem Kopfe ; 
die Tänzerinnen kleine Pantoffel. 

Traumhaft absurd! Eine Variation ins 
Männliche. Die große Zehe als Phallus- 
symbol erscheint auch in Träumen. 1 — Abbm 4 

Auch im Märchen scheint der Pantoffel 

Sexualsymbol zu sein, z. B. im „Aschenbrödel", das auch das Thema zu 
einer Kotillonfigur liefert, indem 

18) Die Tänzer die Prinzen darstellen und den Tänzerinnen kleine Pantoffel 
überreichen. 

Ein sehr populäres Symbol der Jung- 
fräulichkeit, den Schleier finden wir 
auch hier. 2 

I<?) Die Tänzerinnen tragen Kronen mit 
Schleiern und Blumennamen. Wenn der 
Tänzer mit der passenden Blume erscheint, 
entschleiern sie sich. 

20) Tänzer und Tänzerin tragen Blumen ; 
letztere verschleierte Blumen, die sie dann 
enthüllen. 

2 1) Die Tänzerinnen stellen verschleierte 
Dornröschen dar, die von den Tänzern als 
Prinzen entschleiert werden. 




Abb. s 



Im Märchen vom Dornröschen kommt der Schleier gar nicht vor. 



1) Vgl. St ekel: Die Sprache des Traumes, S. 292. 

2) Vgl. Kleinpaul, 1. c. III, S. 582, der viel Kulturhistorisches zur Schleiersymbolik 
bringt. — „Den Schleier nehmen" bedeutet, das Gelübde der Jungfräulichkeit ablegen. 
Im Französischen heißt cttvoüer direkt entjungfern. — Vgl. auch: „Das Symbol des 
Schleiers" von A. J. Storfer. Frankfurter Zeitung 1911. 



12 



Dr. Alfred Robitsek 



22) Die Tänzerinnen tragen Kronen mit Schleiern; die Tänzer Blumen - 
zepter als Zeichen ihrer Macht. (Abb. 5.) 

Hier ist der deutlich phallische Charakter des Zepters im Gegensatz zu in 
weiblichen Schleier hervorzuheben. 19, 20 und 21 symbolisieren die De- 
floration. 

Die Schürze finden wir auch in der Sprache als weibliches Symbol 
z.B. in dem Ausdruck „Schürzenjäger"; metaphorisch, das Verhüllende für 
das Verhüllte. Ebenso im Traum. 1 

2}) Die Tänzerinnen tragen Schürzen, die Tänzer Perücken mit Zöpfen 
oder 

24) Die Tänzerinnen tragen als Bäuerinnen Schürzen, ihre Tänzer Tabaks- 
pfeifen. 

20 „Rotkäppchen und der Wolf." Die Tänzerinnen tragen rote Hauben 
und Schürzen ; die Tänzer stellen den Wolf dar. 

Eine Sexualisierung des Märchens. — Die 
männlichen Attribute in diesen Figuren, Pfeife 
Zopf, werden uns noch beschäftigen. 

Sehr populäre, weibliche Symbole sind 
Tasche, Beutel, Kästchen, Dose u. dgl. 
z. B. im Sprachgebrauch „alte Schachtel, Dös- 
chen, (rheinisch) Büchse" ; 2 auch in den Träu- 
men 3 und anderen Gebilden des Unbewußten 
und im Mythus. 4, 

26) Die Tänzerinnen tragen Hauben und 
Pompadours (Beutel), die Tänzer Zylinder und 
Regenschirme (siehe links). (Abb. 6.) 

2"j) Die Tänzerinnen tragen Zigarrentaschen 
die Tänzer erscheinen als Zigarren. 

28) Die Tänzer überreichen ihren Tänze- 
rinnen kleine Körbe, die eine „Glücksschwalbe" 
enthalten. 




Abb. 6 



1) Vgl. Stekel: Die Sprache des Traumes, S. 70; ferner Rank: Jahrbuch für 
psychoanalytische Forschungen, S. 552. 

2) Vgl. Kleinpaul, 1. c. III, S. 167. 

3) Vgl. den Traum und die Symptomhandlung von Freuds Patientin Dora; 
„Bruchstück einer Hysterieanalyse" in der „Sammlung kleiner Schriften zur Neurosen- 
lehre" II, S. 60 bezw. 68 [Ges. Schriften, Bd. VIII, S. 71, bezw. 79]; ferner Freud: 
Traumdeutung, 2. Aufl., S. 110, 132, oder Stekel: „Nervöse Angstzustände", S. 150. 

4) Z. B. das Kästchen, Körbchen, in dem das Kind ausgesetzt wird. Vgl. Rank: 
„Der Mythus von der Geburt des Helden", S. 70. 



Der Kotillon 




Abb. 7 



2<?J Die Tänzerinnen tragen Dosen, die für die Tänzer Zigaretten enthalten, 
aus denen sich beim Anzünden eine Schlange herauswindet. 

)Oj Die Tänzer tragen als Chinesen Zöpfe und überreichen ihren Tänze- 
rinnen chinesische Dosen. 

Zylinder, Regenschirm, Zigarre, Vogel, Schlange, Zopf, lauter phallische 
Traumsymbole, auf die wir noch zurückkommen. 

Das erotische Symbol par excellence ist wohl das „Herz". Zahllos sind 
die Bilder und Ausdrücke, welche die Sprache mit diesem Symbol geschaffen 
hat, zahllos seine Darstellungen in erotischem 
Sinne. Wir finden es auch in den neurotischen 
Herzsymptomen und -phantasien, die alle sym- 
bolische Bedeutung haben, Produkt der Verschie- 
bung vom Sexuellen her sind. Der tiefere Sinn 
dieses Symbols ist: das für das Leben des Indi- 
viduums wichtigste Organ, das Herz, symbolisiert 
das für das Leben, der Art wichtigste. 

Natürlich sind die Kotillonfiguren, die dieses Symbol verwenden, sehr 
zahlreich. Zum Beispiel: 

■*l) Die Tänzer erhalten „gebrochene Herzen', die Tänzerinnen die ergän- 
zenden Stücke. (Abb. 7.) 

32) Die Tänzerinnen tragen Herzen mit herzförmigen Ausschnitten, die 
Tänzer kleinere Herzen, welche in die Damenherzen hineinpassen. (Abb. 8.) 

33) Die Tänzerinnen tragen Rosen, die sich öffnen lassen und kleine Herzen 
enthalten. 

Die letzte P'igur, eine „Verdichtung zweier Symbole, führt uns zu der 
Blumen- und Pflanzensymbolik, die 
im Sprachgebrauch, 1 im Märchen, 2 im 
Traum 3 eine große Rolle spielt. Wir be- 
obachteten diese Symbolik schon bei den 
Beispielen 19, 20 und 22, die auch die 
phallische Bedeutung der Blumensymbolik 
illustrieren. Der innere Zusammenhang 
des Symbols mit dem Symbolisierten ist 
hier besonders tief: die Blumen, die Sexual- 
organe der Pflanzen, symbolisieren die des 




Abb. S 



1) Vgl. Kleinpaul, 1. c. I, S. 28. 

2) Vgl. Riklin: Wunscherfüllung und Symbolik im Märchen. Wien igo8. S. 67,73,84. 

3) Vgl. Freud: Traumdeutung, 2. Aufl., S. 249; Stekel: Spr. d. Tr., S. 148 ff. 



i 4 



Dr. Alfred Robitsek 



Menschen. Im Griechischen bedeutet „pööov", die Rose, auch das weibliche 
Organ. 1 Auch das Wort „Defloration" enthält diese Symbolik. 

34J Die Tänzerinnen tragen Rosen, in denen ein Röhrchen mit Parfüm 
verborgen ist, mit dem sie ihre Tänzer bespritzen. 

3fJ Die Tänzerin hält eine Scheibe hoch, hinter der eine Rose verborgen 
ist. Die Tänzer schießen mit einer Pistole. Erwählt ihn die Tänzerin, so laßt 
sie die Rose erscheinen. 

)6) Die Tänzerinnen tragen Rosen, deren Stiel aus einem Röhrchen besteht 
und in deren Kelch eine kleine Kugel liegt; diese blasen sie durch den Stiel 
den Tänzern zu; wer die Kugel fängt, wird der Tänzer. 

Ganz wie der Konzeptionstraum einer biologisch gebildeten Dame. 34 ent- 
hält mit Anwendung des Rollentausches eine sehr deutliche sexuelle Sym- 
bolik, 35 eine Verdichtung der weiblichen Blumensymbolik mit der männ- 
lichen des Schießens. 

}"]) Die Tänzerinnen tragen Blumenkränze, die Tänzer Blumen, die sie 
einander überreichen. , 

38) Die Tänzerinnen tragen Blumentöpfchen mit kleinen Pflanzen, die 
Tänzer die dazu passenden Blumen. 

Diese Figuren zeigen wieder die Bisexualität der Symbolik. Bei vielen 
Touren tragen die Tänzerinnen Blumen, die Tänzer Blumenzweige. Der 
Zweig hat im Traum, 2 im Märchen 3 oft phallische Bedeutung. 

)$) Die Tänzerinnen werfen den Tänzern rosenverzierte Reifen zu- cli~ 
Tänzer fangen sie mit goldenen Stäben (vgl. Beispiel 8). 

^0) Die Tänzerinnen tragen künstliche Äpfel, in denen eine Böse verborgen 
ist, die sie erscheinen lassen. 

Hier erscheint neben der Rose ein anderes bekanntes weibliches Symbol 
der Apfel. 4 Eine ganz traumähnliche „Verdichtung". Der Apfel erscheint 
schon im biblischen Paradies in seiner sexuellen Bedeutung. 



1) Vgl. Kleinpaul, 1. c. I, S. 28. 

2) Vgl. Freud: Traumdeutung, 2. Aufl., S. 249; Stekel: Spr. d. Tr., S. 159. 

3) Vgl. Riklin, 1. c. S. 47; dieser Autor gibt sogar dem Lilienstengel auf Dar_ 
Stellungen der Verkündigung sexuelle Bedeutung, 1. c. S. 67, 73. Die Entwicklung 
des Lilienmotivs bis zu seiner Stilisierung zur bekannten heraldischen Lilie und di e 
Deutung dieser durch verschiedene Avitoren scheint ihm recht zu geben: So In man 
in „Ancient Pagan and Modern Christian Symbolism", New York 1869, S. 68: „Th e 
fleur de lys symbolises the male triad ivhiht the ring around it represents the female 11 odef 
Hargrave Jennings in „The Rosicrucians", London 1879, S. 45. „On the figure of 
the fleur de lys the following may be remarked . On its sublime, abstract side it is the symbol 
of tlut mighty self-producing, self-begetting Generative Power dtified in many myths." Di e 
heraldische Lilie wird in Italien als Amulett getragen. (Seligmann, 1. c. II, S. 76^ 

4) Kleinpaul, 1. c. III, S. 187 f., bringt reiches Material zur sexuellen Apfelsymbolik;. 



Der Kotillon 



V5 



Ein altes weibliches Symbol, die Muschel — concha Veneris 
wir auch hier: 



finden 



41J Die Tänzer erscheinen als Taucher, die Tänzerinnen tragen Muscheln. 

42) Die Tänzer ziehen einen Kahn herbei und überreichen ihren Tänze- 
rinnen Muscheln. 

4}j Auf den Boden des Ballsaales werden verschiedenfarbige Muscheln gelegt, 
die von den Tänzern als Tauchern gesucht werden. 

Wir finden die Muschel als weibliches Symbol im Traum 1 wie im 
antiken Kult. So schreibt R. P. Knightr „The female organs of generation 
were revered as symbols of the generative powers of nature or matter, as 
the male were of the generative power of God. They are usually represented 
emblematically by the shell, 
or concha Veneris, which was 
therefore worn by devout 
persons of antiquity, as it 
still continues to be by pil- 
grims and rnany of the 
common women of Italy. 

Die folgenden Figuren 
zeigen den Hut als sexu- 
elles Symbol, und zwar so- 
wohl als männliches wie 




Abb. 9 



als weibliches. Diese Symbolik kommt auch in den Träumen vor. 3 Zylinder 
und chapeau claque — dieser wegen seiner „Erektionsfähigkeit" — sind 
besonders häufig. 

44) Die Tänzer verbergen sich in einem großen Hut, den sie dann durch- 
reißen. 

Wieder eine Deflorationsymbolik. 

4$) Die Tänzer tragen Schmetterlingsflügel, die Tänzerinnen fangen sie, 
indem sie ihnen Hüte über den Kopf werfen. 



1) Vgl. den Traum bei Stekel: Spr. d. Tr., S. 16; ferner Aigremont: Muschel 
und Schnecke als Symbole der Vulva im VI. Buch der von Dr. Friedr. Krauß 
herausgegebenen „Anthropophyteia". Auch Kleinpaul (1. c. III, S. 164) führt die 
Muschel als weibliches Symbol an. „Im Altertum trug man gewisse Muscheln, die 
eine Ähnlichkeit mit der weiblichen Scham hatten, zur Abwehr gegen den bösen 
Blick" (Seligmann, 1. c. II, S. 126; vgl. f. S. 204). 

2) Zitiert nach Hargrave Jennings. Phallicism. London 1884, S. 267. 

3) Vgl. Freud: Traumdeutung, 5. Aufl., S. 213; ferner Stekel: Die Sprache des 
Traumes, S. 165, 289. 



i6 



Dr. Alfred Robitsek 



In diesen beiden Touren ist das Symbol weiblich; in der nächsten 
finden wir es in seiner phallischen Bedeutung. 

46) Die Tänzer tragen Zylinder von verschiedenen Dimensionen, vom gan: 
großen bis zum ganz kleinen. (Abb. 9.) 

47J Eine Tänzerin verteilt an die Tänzer große Zylinder, die ihnen übej 
die Augen fallen, dem Erwählten überreicht sie einen chapeau claque. 

Hier haben wir die weibliche und männliche Symbolik nebeneinander. 
Wir finden hier auch wieder die schon erwähnte „Verlegung nach oben". 

Ein weiteres weibliches Symbol ist der Ofen. Sowohl im Traum," im 
Märchen, 2 wie in der Volkssprache: z. B. sagt in Schönher rs „Glaube und 
Heimat" derEnglbauer zum Bader: „Hast gestern die Meinige ang'schaut und 
ausg'fragt; bis wann kommt sie ins Kindbett?" Bader: „Wird nimmer lang 
aus sein; zwei, drei Tag; kann auch schon morgen sein, daß der Ofen 
einbricht" (I. Akt). Auch die Symbolik von Backofen und Brot ist häufig. 2 

48) Die Tänzerinnen stehen hinter einer Wand, die einen großen Ofex 
darstellt die Tänzer vor der Wand. Die Tänzerinnen lassen nun kleine Maus« 
hervorlaufen, welche die Tänzer fangen müssen. 3 

Die Maus, auch ein weibliches (bisexuelles) Symbol, wird uns noch bei 
der Tiersymbolik beschäftigen. 




Abb. 10 



49J Die Tänzer tragen einen kleinen Papierofen über dem Kopf, die Tänze- 
rinnen sind mit verschiedenem Heizmaterial versehen; sie öffnen die Ofen- 
türen, um zu sehen, welches Heizmaterial dort bezeichnet ist. (Abb. 10.) 



1) Vgl. Freud: Traumdeutung, 2. Aufl., S. 200; ferner Riklin, 1. c. S. 36; hier 
kommt eine Schlange aus dem Ofen, wie in unserem Beispiel die Maus. 

2) Vgl. St ekel: Die Spr. d. Tr., S. 278. 

3) „Mäuse fangen" für den Geschlechtsverkehr, Anthropophyteia III, S. 52. 



Der Kotülon 17 



Hier sind die Symbole zum Zweck der Verschleierung wieder vertauscht. 
Latent ist die Vorstellung des „Einheizens", „In-Glut-Bringens" in eroti- 
schem Sinn. 

Bekannt ist die Symbolik von Schiff und Mast. „In den Augen der 
Seeleute ist das Schiff ein Weib, das auf dem Rücken schwimmt", 1 „es 
zieht mit dem Mastbaum wie mit einem Phallus über das Weltmeer". 2 
Der Traum kennt dieselbe Symbolik, 3 ebenso die Antike;* der einzige Gegen- 
stand, der im Englischen weibliches Geschlecht hat, ist das Schiff. 

joj Die Tänzerinnen tragen kleine Segelschiffe als Abzeichen, die Tänzer 
Kapitänsmüf/.en. 

JlJ Eine Wand stellt einen Dampfer vor; die Tänzerinnen winken aus 
den Luken; die Tänzer „stürzen sich ins Wasser und ziehen sie heraus. 

Man vergleiche diese Phantasie mit folgendem Traum: 5 „Ich stehe in 
der Kajüte eines Schiffes und kann nicht heraus. Draußen brüllt die See. 
Ich schreie: .Stewart!' Endlich erscheint er und zieht mich mit beiden 
Händen heraus. 

Häufige Traumsymbole G sind Haus, Türe und Fenster: 

/2) „Villa Amor" heißt eine Tour bezeichnender Weise: Eine Wand stellt 
ein Haus mit Fenstern dar. Die Tänzerinnen befinden sich hinter diesen. Die 
Tänzer fassen ihre Hände und ziehen sie heraus, wobei die Wand zerreißt. 

Eine Deflorationssymbolik, bei der die Zensur den Vorgang umgekehrt 
hat, um die Symbolik undeutlicher, unverfänglicher zu machen. Durch die 
Umkehrung erscheint der Vorgang traumhaft absurd; ein Eindringen der 
Tänzer ins Haus würde natürlicher, aber auch deutlicher sein. 

jßj Die Tänzerinnen tragen Abbilder eines berühmten Bauwerkes einer 
Hauptstadt, die Tänzer Landkarten. 

Das „schöne Gebäude" ist im Traum häufig Symbol für die Frau. Das 
Tänzer attribut ist hier natürlich nicht symbolisch, sondern gleichsam sekun- 
däre Bearbeitung des Themas. 

$4) Vor einem verschlossenen Fenster 7 bringen die Tänzer ein Ständchen; 

1) Kleinpaul: Die Lebendigen und die Toten, S. 196. 

2) Kleinpaul: Das Leben der Sprache, II, S. 491. 
5) Vgl. Stekel, 1. c. S. 281, 299. 

4) So führt Newton (bei In man, 1. c. S. 115) Schiff und Mast als männliches 
und weibliches Symbol in antiken Kulten an. 

5) Stekel (1. c. S. 281) faßt diesen Traum als Geburtstraum auf. 

6) Vgl. Freud: Traumdeutung, 2. Aufl., S. 197; Stekel: Spr. d. Tr., S. 281. 

7) Über die Symbolik von Fenster und Türe vgl. Stekel: Nervöse Angstzustände. 
Wien 1908. S. 125, 130, 211. 



i8 



Dr. A]fred Robitsek 



die Tänzerin öffnet es für den Erwählten. Deutliche Darstellung der Werbung 
und Gewährung. 

ffj „Feuer in der Mädchenschule": Eine Wand stellt ein brennendes 
Haus vor; die Tänzerinnen strecken die Hände aus den Fenstern und flehen 
um Rettung. Die Tänzer als Feuerwehrmänner ziehen sie heraus, wobei die 
Wand zerreißt. 

Deflorationssymbolik mit Umkehrung wie im Beispiel 52; das Feuer 
als Symbol des Liebesfeuers ist populär. Der erotischen Rettungs- und Er- 
lösungsphantasie werden wir noch begegnen. 1 

Die Feuerwehrsymbolik finden wir auch in folgender Tour: 

,Jo) Die Tänzer tragen Feuerwehrhelme und Beile, die Tänzerinnen Leitern 
und Signalhörner. 

Die Symbolik ist hier elliptisch, die Tänzer mit den Beilen stellen 
Feuerwehrmänner dar, die mit ihren Werkzeugen gewaltsam in ein Haus 
eindringen (Defloration). Die Tänzerinnen deuten mit den Leitern das Haus 
nur an; übrigens ist die Leiter, Stiege ein Koitussymbol 2 im Traum, und 
zwar ist das tertium comparationis der Rhythmus. Die latente Vorstellung, 
die sich hinter den andeutenden Symbolen verbirgt, ist die des Feuers, das 
durch den Wassersttahl gelöscht wird. 3 

Feuer- und Tür Symbolik enthält auch folgende Figur: 

Jj) Eine Wand stellt das Höllenfeuer mit verschiedenen Toren vor, in 
welche die Tänzer von den Tänzerinnen hineingezogen werden. 

j8) Die Tänzer stellen arme Sünder im Fegefeuer vor, die von den Tänze- 
rinnen erlöst werden. 

Hier haben wir wieder die Rettungsphantasie. + 

Häufig ist die Verwendung von glückbringenden Symbolen; der größte 
Teil von ihnen hat eine ursprünglich sexuelle Bedeutung. Der primitive 

') Vgl. den Traum der Uora bei Freud: Neurosenlehre, II, 55, und den Rettungs- 
traum bei Stekel: Spr. d. Tr., S. 201. 

2) Nach Freud: Traumdeutung, 3. Aufl., S. 210, 215 f. Seligmann erwähnt die 
Leiter als Amulett gegen den bösen Blick (1. c. II, S. 204, 296). Nach O. Jahn ist sie 
ein Symbol der Aphrodite und als solches geeignet, den bösen Blick abzuwehren. 
Willingen erklärt sie sogar für die Kteis. Sie findet sich häufig auf Vasen bei 
Liebes- und Begräbnisszenen in den Händen von Frauen und Jünglingen (zitiert nach 
Seligmann). — Der „Schlager" einer populär gewordenen Operette war, daß ein Paar 
eine Stiege hinauf tanzte: eine Art Verdichtung des Tanzes mit einem Koitussymbol, 
ein Deutlicherwerden seiner erotischen Bedeutung. 

5) v g*- Die Feuer- und Feuerwehrträume bei Riklin, 1. c. S. 37, und Stekel: 
Spr. d. Tr., S. 268. Vgl. auch Ferenczi: Jahrbuch, III, S. 116. 

4) Zur sexualpsychologischen Deutung der Rettungsphantasie vgl. Freud: Jahr- 
buch, II, S. 396 f. 



Der Kotillon 1 g 



Mensch trug zur Abwendung des Todes Abbilder jener Organe, die das 
Leben zeugten, indem er die Wirkung ihrer Kraft auf ihre Symbole über- 
trug. 1 Die glückbringende Bedeutung der Symbole hat sich durch die 
Zeiten erhalten, wenn auch ihre Form manche Wandlung durchgemacht 
hat. So finden wir z. B. Figuren, bei denen die Tänzerinnen Hufeisen, 
die Tänzer Anker tragen. Das Hufeisen ist nichts wie ein mißverstandenes, 
antikes weibliches Symbol, dessen glückbringende Bedeutung sich durch 
Kontinuität erhalten hat. 2 

Auch den Halbmond 3 , der als Symbol weiblicher Gottheiten denselben 
Ursprung hat, finden wir häufig als Abzeichen der Tänzerinnen in allen 
möglichen Varianten. Ja, es möchte vielleicht dem hufeisenförmigen Magnet, 
der häufig verwendet wird, neben seiner naheliegenden Symbolik (l'aimant) 
eine infolge seiner Form dem Unbewußten verständliche Bedeutung zu- 
zusprechen sein. 

Sy) Die Tänzerinnen halten Magnete, an welchen Goldfische hängen. Die 
Tänzer suchen diese loszureißen. 

Der Fisch als phallisches Symbol wird uns noch beschäftigen. Die Figur 
zeigt die „Darstellung durchs Gegenteil" (Freud): losreißen anstatt anziehen. 

Auch der Anker ist ein antikes Symbol, 4 dessen Bedeutung durch die 
Kirche völlig verändert wurde; es ist merkwürdig, es hier in seiner ur- 
sprünglichen, freilich ganz latenten Bedeutung wiederzufinden. 

i) Vgl. Riklin, 1. c. S. 34. 

2) Payne Knight: Le culte de Priape, Bruxelles 1883. S. 110. „C'etait ime habitude 
generale chez les Arabes d'elever au dessus de la porte de leur logis, ou de clouer sur une 
planche dans d'autres endroits, les organes sexuels d'une vache, d'une jument comme un talisman 
contre le mauvais oeil. Uimage de forgane feminin est bien plus susceptible d'alte'rations que 
celle du male, surtout si on pense ä la difficulte qu'il devait y avoir pour les artistes grossiers 
de cette epoque (Ten faire les lineaments assez purs pour etre intelligibles . D , ou les formes 
par ä peu pres, qui sont prises pour le Symbol, quoique intentionellement elles fussent la forme 
reelle; par exemple, Vimage de Vorgarn feminin a pu successivement devenir celle d'unfer ächeval et 
quand on eut oublie la signification originelle on ne tarda pas ä la prendre pour le fer de cheval 
lui mime et ä le clouer aux murs comme un pre'servativ contre les mauvaises influences." 

Inman, 1. c. S. 78. „The horse-shoe indicates the yoni, the last, taken from some cow, 
mare or donkey, being used in eastern parts, where uie now use their shoes, to heep off the 
evil eye. It is remarkable, that some nations should use the female organ or an effigy thereof 
as a charm against ill luck whilst others adapt the male symbol." 

Das Hufeisen als Symbol der vulva und Amulett gegen den bösen Blick bei 
Seligmann, 1. c. II, S. 204 etc. 

3) Vgl. Inman, 1. c. S. 11, 77. „Hufeisen und Halbmond sind als Zaubermittel beide 
sehr beliebt und gehen in ihrer Form leicht ineinander über." Seligmann, 1. c. n, S. 12. 

4) Inman, 1. c. S. 53. „The anchor, as a symbol, is of great antiquity. It represents 
the crescent moon, the yoni, ark or boat, in this is placed the mast, round which the serpent, 






20 



Dr. Alfred Robitsek 



Ein anderes Glücksymbol ist der Pilz, der Glückspilz; er ist auch aus 
Träumen als phallisches Symbol bekannt. 1 

6ö) Tänzer und Tänzerinnen tragen Abzeichen mit Glückspilzen und vier- 
blättrigem Klee. 2 

61) Die Tänzer tragen Pilze auf dem Kopf (Verlegung nach oben), die 
Tänzerinnen als Schirme. 

Die Bet eilung beider Geschlechter mit denselben Symbolen ist eine 
Methode, die Symbolik zu verschleiern, die in den Figuren häufig ver- 
wendet wird; doch wäre auch an die bisexuelle Bedeutung vieler Symbole 
zu denken. Ein Symbol, das uns bei mancherlei Aberglauben wie auch 
in den Phantasien Hysterischer 3 begegnet, ist der Schornsteinfeger. 

62) Tänzer und Tänzerinnen stellen Kaminfeger vor. Die Tänzer tragen 
zusammengedrückte Zylinder und Besen, die Tänzerinnen Leitern. 

Mit der Leiter, die wir als Koitussymbol schon kennen gelernt haben, 
sind wieder elliptisch Haus und Kamin angedeutet. Der „vertepschte" Hut 
ist nach Stekel (Spr. d. Tr., S. 241) Traumsymbol für die ruinierte Potenz- 
hier eine witzige Anspielung auf den anstrengenden, symbolisierten Beruf 
des Kaminfegers. 

63) Eine Wand stellt Schornsteine vor, in welchen die Tänzer als Schorn- 
steinfeger erscheinen. 

Diese Symbolik führt uns zu der von Pinsel und Besen; diesen führt 
Stekel (Spr. d. Tr., S. 73) als bisexuelles Traumsymbol an. Die Phantasie 

vom Hexenritt auf dem Besen — ein typischer sexueller Flugtraum* 

beruht auf derselben phallischen Symbolik. Der Weihwedel des Kultus geht 
auf ein antikes phallisches Symbol zurück, das z. B. im Isiskult und in 
den Mithrasmysterien gebraucht wurde. 5 Pinsel — penicillus — ist das 
Diminutiv von penis. G 



the emblem of life tntwines itself. The cross-beam completes the mystic four, Symbole alike 
of the sun and of androgeneity. The whole is a covert emblem of that union, which results 
in fecundity." 

1) Vgl. Stekel: Angstzustände, S. 157. — Seligmann, l. c. JI, S. 80, führt den 
Pilz als phallisches Symbol und modernes Amulett gegen die Jettatura in Italien an. 

2) Der vierblättrige Klee scheint ein weibliches Symbol zu sein; so führt Klein- 
paul, 1. c. I, S. 28, eine ähnliche Blattsymbolik an. Der dreiblättrige Klee ist als 
phallisches Symbol bekannt. Als solches nennt ihn Inman, 1. c. S. 45. 

3) Vgl. Mae der, Psychiatrisch- Neurologische Wochenschrift, X. 

4) Vgl. Freud: Traumdeutung, 2. Aufl., S. 196; Stekel: Spr. d. Tr., S. 252. 

5) Malvert: Science et Religion. Paris 1899. S. 130. 

6) Kleinpaul, 1. c. S. 129; vgl. auch den Traum bei Stekel: Spr. d. Tr., S. 188. 






Der Kotillon 



21 



64) Die Tänzer tragen Künstlerhüte und große Pinsel, die Tänzerinnen 
kleine Pinsel und Farbtöpfe. (Abb. 1 1 .) 

Verschleierung der Symbolik durch ßeteilung von Mann und Weib. Die 
Gefäßsymbolik wird uns noch mehrfach begegnen. 

6j) Die Tänzerinnen tragen große Besen; die Tänzer Kopfbedeckungen mit 
kleinen Besen. 

Verlegung nach oben. „Besen" ist ein populäres Wort für Mädchen, 
z. B. im Studentenjargon. 







Abb. II 



Abb. 12 



Lanze, Säbel, Pfeil u. dgl., häufige phallische Traumsymbole, ' sind 
uns schon begegnet. (Beispiel 1, 2.) Von den zahlreichen Figuren, die diese 
Symbolik benützen, sei nur eine erwähnt: 

66) Auf einer Wand sind Soldaten abgebildet: die Tänzer nehmen hinter 
ihr Aufstellung und stecken Säbel durch Öffnungen für die Hände. Die Tänze- 
rinnen kommandieren „die Waffen nieder", worauf die Säbel gesenkt werden 
und die Wand fällt. 

Eine „Darstellung durchs Gegenteil." 

Bei einer der Figuren tragen die Tänzer als Wassernixe den Dreizack, 
auch ein phallisches Symbol der Antike 2 (6j). Die „Drei" ist auch im Traume 



1) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 64, 96, 155; Riklin, 1. c. S. 38; ferner Jung: Über 
die Psychologie der Dementia praecox. Halle 1907. S. 166; über die „hasta" als 
phallisches Symbol in der Antike Kleinpaul, 1. c. I, S. 108. Die Symbolik von 
Messer und Scheide in Volksgebräuchen, II, S. 492. — Inman, 1. c. XIII, „a swori 
spear, arrow, dart, battering ram, spade, ships prow, anything indeed intended to pierce into 
something eise was emblematic of the male". — Seligmann, 1. c. II, S. 18: „In der Türkei 
schützt ein Spieß als Symbol des männlichen Geschlechtes vor dem bösen Blick." 

2) Vgl. Inman, 1. c. S. 53, 115. 



22 Dr. Alfred Robitsek 



charakteristisch als männliches Symbol und deutet die Dreiteilung des männ- 
lichen Organes an. J Inman führt zahlreiche Kultsymbole an, welche die 
„maletriad or trinity 1, darstellen. 2 Auch im Aberglauben, in gewissen Zwangs- 
handlungen finden wir dieselbe Symbolik. So mußte z. B. der Schauspieler 
üavison auf der Bühne immer drei Kastanien bei sich tragen. Die drei Schwur- 
finger haben dieselbe Bedeutung. 3 Auch die heraldische Lilie und das Klee- 
blatt gehören hieher. Die „Mistgabel", mit der der Teufel dargestellt wird, 
stammt direkt von Plutons und Neptuns Dreizack ab; dieser Bedeutungs- 
wandel illustriert den Sexualverdrängungsprozeß des Christentums. Bei einer 
„Walpurgisnacht" benannten Kotillonphantasie (68), die also die schrankenlose 
Sexualität andeutet, reiten Tänzer und Tänzerinnen auf Hexengabeln und Besen. 

Das Feuer als Symbol für die weibliche Sexualität haben wir bereits 
erwähnt; wie viele Symbole ist es bisexuell und hat auch männliche Be- 
deutung.* Als phallisches Kultsymbol auf antiken Darstellungen nennt es 
Inman. 5 So faßt es auch Jennings auf, der die monolithischen Denk- 
male, die Pyramiden usw: auf das Feuer zurückführt. 6 Auch das Vestafeuer 
wird im phallischen Sinn aufgefaßt. 

In der Mythologie verwandelt sich Zeus bei einem Liebesabenteuer in 
eine Flamme. 

69) Die Tänzer stellen Lampen 7 dar, die beim Erscheinen der Tänzerinnen 
entschleiert werden. 

70) Die Tänzer tragen Fackeln. 8 

71) Die Tänzer tragen brennende Leuchttürme, die Tänzerinnen Bojen, mit 
denen sie auf die Leuchttürme zusteuern. (Abb. 12.) 

Eine Kombination eines anderen phallischen Traumsymboles, des Turmes,» 
mit der Flamme. Das weibliche Attribut ist wieder eine recht gezwungene 
„sekundäre Bearbeitung" des Themas. 



1) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 411; diesbezügliche Träume S. 25, 132, 142, 295. 

2) 1. c. 4, 5, 9, 16, 64, 101. 

3) Vgl. Inman, 1. c. S. 6. 

4) So im Traum. Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 268. 

5) 1- c. S. 9, 115. 

6) The Rosicrucians, S. 60: „The pyramidal or triangulär form, which firt asswnes in 
its ascent to heaven, is in the monolithic typology used to signify the great generative power." 

7) Als Traumsymbol vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 73; in der Neurosensymbolik 
Wulff, Zentralblatt für Psychoanalyse, I, S. 537. 

8) Die Fackel als phallisches Symbol, Inman, 1. c. S. 115. 

9) So bei Scherner, Das Leben des Traumes, S. 197; Stekel: Spr. d. Tr., S. 73, 
165; Jennings, The Rosicrucians, S. 207: „The architectural genealogy of the Tower is 
closely connected with the story of the phallus." — In Italien heißen manche Türme 
„maschi" — Männer. Kleinpaul, 1. c. II, S. 491. 



Der Kotillon 



2 5 



Haben wir bisher eine Symbolik kennen gelernt, die zum großen Teil 
uralt ist, — das Unbewußte findet und erfindet die Symbole immer wieder 
von neuem — so sehen wir an den folgenden Beispielen, wie ihm jedes 
Material recht ist, um sich auszudrücken. — Als ein bisexuelles Symbol 
dürften auch der Kohlkopf und ähnliche Pflanzen anzusehen sein. So 
führt Stekel „Karfiol" als häufiges Phallussymbol an; 1 „mon choux" ist 
ein sehr gebräuchlicher Kosenamen im Französischen (wie überhaupt alle 
erotischen Kosenamen Sexualsymbolik zeigen). Anderseits erzählt man in 

K£Ü8 




Abb. i} 

Frankreich den Kindern „qu'on les trouve dans un choux ; hier ist die 
Bisexualität deutlich. 

J2) Die Tänzer erscheinen mit Krautköpfen und ähnlichen Gewächsen über 
dem Kopf. 

Wieder die ^Verlegung nach oben." 

7 ßj Die Tänzer sitzen als Verkäufer am Markt und verkaufen Salat, Erd- 
äpfel. Häringe usw. (bei einer ähnlichen Tour „allerlei Gemüse"). Die Tänze- 
rinnen kommen mit ihren Markttaschen einkaufen. (Abb. 13). 

J4) Die Tänzer verkaufen als Fleischer Wurst, als Bäcker lange Brote, 2 Trauben. 

Diese Marktsymbolik: Der Mann verkauft etwas, die Käuferin steckt 
es in ihre Tasche, finden wir ganz ähnlich in Träumen, z. B.: 



1) Stekel: Angstz., S. 150. 

2) Zahlreiche Brot- und Gebäckformen zeigen männliche und weibliche Sexual- 
symbolik. Vgl. Höfler: Gebildbrote. Ztschr. für österr. Volkskunde, XIV, XV. 



2 4 Dr. Alfred Robitsek 



„Sie geht auf den Markt mit ihrer Köchin, die den Korb trägt. Der Fleisch- 
hauer sagt ihr, nachdem sie etwas verlangt hat: ,Das ist nicht mehr zu haben' 
und will ihr etwas anderes geben mit der Bemerkung, das sei auch gut. Sie lehnt ab 
und geht zur Gemüsefrau. Die will ihr ein eigentümliches Gemüse verkaufen " > oder 

„Sie geht in die Fleischbank Einkäufe machen, findet sie offen, wählt eine 
Wurst, die sie in die Tasche steckt" 2 oder 

„Uns vis-a-vis wohnt eine Kräutlerin. Ich ging zu ihr Karfiol kaufen. "3 

Die Wurst spielt in den Träumen,* wie in der Psychopathologie 5 eine 
phallische Rolle. 

7/) Ein Fleischer erscheint mit dem Würstelofen und verteilt Würste. 

Auch die folgenden Beispiele zeigen, wie die Phantasie modernes und 
allermodernstes Material für ihre Zwecke verwendet. 

?6J Die Tänzer erscheinen als Zuckerhüte. 

Zucker ist nach Stekel ein sexuelles Traumsymbol^ wie überhaupt 
„Süßigkeiten". Es ist hier kombiniert mit einem uralten, vielleicht dem 
ältesten phallischen Symbol, dem Konus, der in antiken Kulten eine große 
Rolle spielte/ ein Beispiel, wie die Determinierung der symbolisierenden 
Assoziationen des Unbewußten durch alle Zeiten gleich bleibt. 

Zigarre und Zigarette sind uns als maskuline Symbole bereits begegnet 
(Beispiel 27, a 9 ), ebenso die Tabakspfeife (24), die auch in Redensarten des 
Volkes diese Bedeutung zeigt („seine Pfeife ausklopfen"). Dieselbe Symbolik 
kennt der Traum und die Psychopathologie; 8 sie zeigt wieder die „Verlegung 
nach oben" (erogene Mundzone). 



1) Freud: Traumdeutung, 2. Aufl., S. 129. 

2) Stekel: Spr. d. Tr., S. 15. 

3) Stekel: Angstz., S. 150. 

4) Stekel: Spr. d. Tr., S. 15 (siehe oben), 140; Angstz., S. 152. 

5) Vgl. Jung, 1. c. S. 162; Stekel: Angstz., S. 51; Riklin: Zentralblatt f. Psycho- 
analyse, I, S. 197. J 

6) Spr. d. Tr., S. 90; Angstz., S. 149. 

7) Newton bei Inman, 1. c. S. 132: „let us next examine, how the cone came to be 
used as a masculine etnblem. — The gUm* was particularly honoured as the head of the 
PJMlu*; it was also the part dedicated to God by ejfusion of blood in the rite of circumcision. 
This acorn is conical and thus — a part being tahen for the whole — the cone or pyramid 
was used as a conventional symbol of the male creator." — Auch das „Goldene Kalb" dürfte 
als ein solcher Konus aufzufassen sein: „the exact shape and make of the Image set up 
lij "l " t0 be W ° rsh 'PP ed in th * wildenuss hat been greatly squabbltd over. The best Hebraist 
hold the translation ,calf< untenable. The most tenable view philologicaU r is, that something 
round or orbicular, possibly a cone like that symbolising Venus is intended by the original 
word employed" (Hargrave Jennings: Phallicisme, S. 261). 

8) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 72, 77 , 157; Riklin: Zentralbl. f. PsA, I, S. 197 
ferner Schrötter: Experimentelle Träume. Zentralbl. f. PsA, U, S. 642. 



i 



Der Kotillon 



2 5 




■Jj) Die Tänzerinnen werden zum Kaufmann geschickt, Zigarren holen. 
Diese werden von den Tänzern (in zigarrenförmigen Hüllen) dargestellt. (Abb. 14.) 

Ein phallisches Traumsymbol ist auch der Regenschirm; das Auf- 
spannen entspricht der Erektion, 1 vgl. Beispiel 26. 

Man beachte die Ähnlichkeit des folgenden Traumes (Stekel: Spr. d. Tr., 
S. 403) und der Kotillon- 
figur. 

„Ein Schirm wurde le- 
bendig, machte sich auf und 
kam ihr näher. 

y8J Die Tänzer verbergen 
sich hinter aufgespannten 
Regenschirmen und gehen 
so auf die Tänzerinnen los. 
(Abb. 15.) 

Auch Luftschiff und 
Flugapparat werden vom 
Traum zur sexuellen Sym- 
bolik benützt. Nach Freud 2 
hat der Flugtraum meist 
sinnliche Bedeutung. Ste- 
kel führt in diesem Sinn verschiedene Träume an. 3 Beim Luftschiff dürften 
auch die Form und das „Steigen" zu dieser Symbolik führen. 4 Zahlreich 
sind auch die Witze und Couplets, die sie benützen. In unseren Figuren 
erscheinen die Tänzer entweder mit solchen Luftschiffen auf dem Kopf oder 
in Hüllen, die Luftschiffe vorstellen. 

Die Verwendung der Eisenbahn, des Fahrens überhaupt, zur Sexual- 
symbolik ist aus den Träumen 5 bekannt. 

jqJ Die Tänzer tragen rote Flügelmützen und Signalstangen, die Tänze- 
rinnen Schaffnertaschen und ähnliche Mützen; sobald letztere erscheinen, 
ziehen die Tänzer die Signalstangen hoch. 

Die Symbolik ist hier wieder elliptisch und ganz traumähnlich kompli- 
ziert. Die in die Höhe gehenden, das Einfahrtszeichen gebenden Signale 

1) Freud: Traumdeutung, 2. Aufl., S. 200; Stekel: Spr. d. Tr., S. 24; Angstz. 

S. 152, 204, 214. 

2) Traumdeutung, S. 196. 

3) Spr. d. Tr., S. 166, 233 f., Angstz., S. 221. 

4) Vgl. Traumdeutung, 5. Aufl., S. 211. 

5) Stekel: Spr. d. Tr., S. 322; vgl. auch Freud: Drei Abhandlungen zur Sexual- 
theorie, S. 48. 





Ahh. 14 



26 



Dr. Alfred Robitsek 





Abb. is 



Abb. 16 



symbolisieren die Erektion, die Schaffnertaschen (weibliches Symbol) deuten 
den Zug an. Die Vorstellung des in den Bahnhof einfahrenden Zuges bleibt 
latent 1 (Rollentausch); zu beachten sind auch die Flügelmützen. (Ver- 
dichtung mit der Fliegesymbolik.) 

50) Die Tänzer stellen einen Eisenbahnzug vor, jeder einen Waggon; die 
Tänzerinnen steigen ein, indem sie sich in ihre Tänzer einhängen. 

„Einsteigen!", „aussteigen!" ■ im Volk gebräuchliche Redensarten für 
den Sexualverkehr. Auch hier sind die Rollen infolge der Einwirkung der 
Zensur vertauscht. 

Die bekannte Symbolik von Reiter und Pferd 2 finden wir in folgendem : 

51) Die Tänzer tragen Jockeimützen, die Tänzerinnen Pferde als Abzeichen 
(siehe Abb. 16.) 

Das Fahrrad vereinigt die Vorstellungen von gehen, fahren und reiten 
und wird so zur Symbolik sehr geeignet. Auch der Rhythmus dürfte eine 
Rolle spielen. 3 

82) Die Tänzer tragen Radlermützen, die Tänzerinnen kleine Fahrräder 
als Abzeichen. 

Pfeil, Bogen und Scheibe sind schon in der Antike Sexualsymbole 
gewesen;* in Beispiel 12 und 35 haben wir das Gewehr und die Pistole 

1) Die Symbolik des Bahnhofs im Traum der Dora; Freud: Neurosenlehre, II, S 88 

2) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 383; Angst*., S. 207. 

3) Das Fahrrad als Frau im Traum vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 81. 

4) Vgl. Inman, 1. c. S. 86, 101, 115. 



Der Rotillon 27 



in diesem Sinne bereits gesehen; ebenso finden wir es in den Träumen 1 
und in der Symbolik der Geisteskranken. 2 

8}) Die Tänzer schießen aus Pistolen Blumen auf die Tänzerinnen; diese 
schmücken die Schützen mit ihnen. 

Die Blume erst männliches, dann weibliches Symbol. 

Schlüssel und Schloß sind eine populäre erotische Symbolik.3 

84) Die Tänzerinnen tragen herzförmige Schlösser, die Tänzer die dazu 
passenden Schlüssel. 

8j) Die Tänzer stellen Papageno vor, mit goldenen Schlössern vor dem 
Munde; die Tänzerinnen erlösen sie mit goldenen Schlüsseln. 

Verlegung nach oben und Rollentausch, sowie Verwendung einer 
„fertigen Phantasie" zur Sexualsymbolik. 

86) Die Tänzer tragen Handfesseln mit Schlössern, die Tänzerinnen befreien 
sie mit den Schlüsseln. 

Wir finden hier wieder das Erlösungsthema. 

87) Bei einer der Touren stellen die Tänzer große Pakete, Säcke usw. 
vor, bei einer anderen Gewichte. Dieselbe Symbolik findet sich im Traum.* 

Eine deutliche und ganz traumähnliche Symbolik zeigt folgendes Beispiel: 

88) Die Tänzer stellen Betrunkene mit eingedrückten Zylindern vor (vgl. 
Beispiel 62) und werden von den Tänzerinnen, die Nachtwächter verstellen, 
ins Loch gesteckt. 

Eine besondere Symbolik ist die, den Phallus durch den Mann dar- 
zustellen, wie in den Beispielen 6 und 16. Eine ähnliche ist in den Träumen 
häufig, in welchen „der Kleine", das Kind als männliches Symbol erscheint. 5 

8^) Die Tänzerinnen stellen Ammen vor, die Tänzer Wickelkinder. 

yo) Die Tänzer erscheinen als Ammen mit Säuglingen. 

$l) Die Tänzer stellen Liliputaner vor; sie tragen lange Kragen und Zylinder 
und bücken sich in die Knie. „Die Tänzerinnen ziehen den kleinen Liebling 
zu sich empor. ' 



1) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 147. 

2) Vgl. Riklin, 1. c. S. 49; Jung, 1. c. S. 166. 

5) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 125. Traumdeutung, 3. Aufl., S. 210; diese Symbolik 
erwähnen auch Inman, 1. c. S. 70; Jennings: Phallicism, S. 43; Kleinpaul, 1. c. II, 
S. 491; Seligmann, 1. c. II, S. 10 führt den Schlüssel als Amulett gegen die Jettatura 
an; als solches endet er manchmal in die memo ßca, ein bekanntes Koitussymbol. 

4) Vgl. Stekel, Spr. d. Tr., S. 112, 282, 293. 

5) Vgl. Freud: Traumdeutung, 2. Aufl., S. 200; Stekel: Spr. d. Tr., S. 53, 166; 
Angstzustände, S. 148, 214. 

6) Stekel führt einen Traum an, in welchem Amme und Kind den Mann symbo- 
lisieren (Angstzustände, S. 142). 



28 Dr. Alfred Robitsek 



Eine deutliche Symbolisierung der Erektion. 

Auch die Gnomen und Zwerge, welche von den Tänzern dargestellt 
werden, dürften eine Form dieser Symbolik sein, ebenso der kleine Clown 1 , 
Wurstel, Hampelmann, der häufig verwendet wird. 

$2) Die Tänzer tragen Mützen mit Quasten; die Tänzerinnen ziehen daran 
und ein Hampelmann erscheint. 

9}) Ein Tänzer trägt eine Mütze, von der kleine Clowns herunterhängen, 
welche die Tänzerinnen abzureißen trachten. 

Das eine Beispiel deutet die Erektion an, das andere ist eine „Kastrations- 
phantasie". 

Eine Form der Symbolik ist die, Mann und Weib als Gefäße auf- 
zufassen; sie ist deutlich und daher in den Träumen, die zum Vergleich 
zur Verfügung standen und die zum größten Teil von neurotischen Personen 
stammen, verhältnismäßig selten. 2 Die Symbolik dieser Träume ist infolge 
der starken Verdrängung und der durch sie bedingten größeren Traum- 
entstellung eine verschleierte. In man führt amphora und kratera als männ- 
liches und weibliches antikes Symbol an. 5 

94) Die Tänzer erscheinen als Bierfässer, die Tänzerinnen tragen kleine Bierkrüge. 

95) Die Tänzer tragen Champagnerflaschen als Kopfbedeckungen oder stellen 
selbst Champagnerflaschen vor, die Tänzerinnen tragen Champagnergläser. 

96) Die Tänzerinnen tragen große Trichter, die Tänzer kleine, mit Konfekt 
gefüllte, die sie austauschen. 

9"]) Ein Tänzer stellt einen Brunnen vor, zu dem die Tänzerinnen mit 
Eimern kommen.* 

98J Bei einer der Figuren werden Verlobungskarten verteilt mit der An- 
zeige und den Bildern folgender Verlobungen: Pfeife mit Tabaksbeutel, Topf 
mit Deckel, 5 Tasse mit Kaffeekanne, leere Börse mit Geldsack. 

Selbst das Geld scheint Sexualsymbol zu sein. 6 Man denke z. B. an Jupiter, 
der Danae als Goldregen erscheint. 



1) Der französische Name für den Hanswurst „guignol" ist auch der von vielen 
in Frankreich verehrten Heiligen, wie St. Guignolet, Guignole, Gunols. Diese Namen 
stammen von „gignere", zeugen, und die Heiligen gehen auf antike phallische Gott- 
heiten zurück (Malvert, 1. c. S. 211). Vielleicht also auch der Hanswurst, von dem 
überdies die konische Kopfbedeckung zu beachten wäre. 

In Italien gilt der Harlekin als Amulett gegen den bösen Blick (vgl. Seligmann, 
1. c. II, S. 508). 

2) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 153, 164, 293; ferner Schrötter: Experimentelle 
Träume. Zentralbl. f. Psychoanalyse, II, S. 642. 

3) 1. c S. 115. 

4) Der Brunnen ist häufiger weibliches Symbol, vgl. z. B. Jung, 1. c. S. 162. 

5) Vgl. Kleinpaul, 1. c. II, S. 492. 

6) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 52. 



Der KotUlon 29 



Eine große Rolle spielt im Traum, im antiken Kult, in Mythus und 
Märchen, wie in der Psychopathologie die Tiersymbolik; sie hat sehr häufig 
sexuellen Sinn. Diese Symbolik ist sowohl eine äußerliche, nach Ähnlich- 
keiten zwischen Dargestelltem und Darstellendem, als auch eine tiefere, 
indem das Sexuelle so als „das Tierische" dargestellt wird, was dem Charakter 
der Verdrängung besonders entspricht. Die Maus haben wir als weibliches 
Symbol 1 bereits in einer unserer Figuren gefunden. Die folgenden ent- 
halten sie als männliches 2 und als bisexuelles^ Symbol. 

99) In einem Korb sind Mäuse verborgen, an denen sich Schlingen be- 
finden. Die Tänzer befestigen diese an den Fingern der Tänzerinnen und 

ziehen dann den Korb weg. 

100) Die Tänzer überreichen ihren Damen Zündholzschachteln, aus welchen 

beim Öffnen eine Maus springt. 

IOlJ Ein Tänzer erscheint als Rattenfänger mit Mäusen für Tanzer und 

Tänzerinnen. 

702J In einer Mausefalle befinden sich verschiedenfarbige Mäuse für Tänzer 

und Tänzerinnen. 

Die Schlange ist eines der bekanntesten phallischen Symbole; zahllose 
antike Darstellungen enthalten es,* so beschläft z. B. Zeus Demeter und 
Persephone als Schlange.* Ihre Bedeutung im Märchen, 6 im Traum? wie 
in der Psychopathologie 8 ist dieselbe. Wir haben das Symbol bereits in 
Beispiel 29 gefunden. 

10}) Tänzer und Tänzerinnen fassen die Enden eines Knäuels von Schlangen, 
der sich dann löst, worauf jedes Paar durch eine Schlange verbunden ist. 

JO4J Die Tänzer verbergen sich in einer Riesenschlange und erscheinen so 
im Saal, die Windungen der Schlange nachahmend. 

Der Vogel als phallisches Symbol ist der symbolische Ausdruck jener 
unbewußten Beziehungen zwischen dem Sexuellen und dem Fliegen, die 
wir bereits erwähnt haben. Der Flugtraum, das Fliegen oder Vogel sein, 
ist nach Freud^ die Verhüllung eines anderen, sexuellen Wunsches. In 



1) Als solches führt es auch Kleinpaul an, 1. c. III, S. 164.. 

2) Vgl. den Traum bei St ekel: Spr. d. Tr., S. 156; das Symbol im Märchen, 
Maeder, 1. c. 

3) Vgl. St ekel: Spr. d. Tr., S. 73. 

4) Vgl- Inman, 1. c. S. 9, 10, 14. 

5) Creuzer: Symbolik und Mythologie der alten Völker, 2. Aufl., III, S. 303. 

6) Vgl. Riklin, 1. c. S. 41 f. 

7) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 65, z 33 ; Angstz., S. 104. 

8) Vgl. Jung, 1. c. S. 162; Maeder: Jahrbuch II, S. 192; Abraham: Traum und 

Mythus, S. 20. 

9) „Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci." Deuticke, Wien 1910. S. 59. 



Dr. Alfred Robitsek 



der Antike wui*de der Phallus oft geflügelt dargestellt. Kaulbachs Bild 
„Wer kauft Liebesgötter" verwendet noch dieselbe Symbolik. Zeus erscheint 
der Leda als Schwan; der Heilige Geist bei der Verkündigung als Taube; 1 
das „Kreuzluftvöglein" Zinzendorfs faßt Pfister 2 ausdrücklich sexual- 
symbolisch auf. Auch im Märchen, 3 wie in den Träumen 4 ist diese Sym- 
bolik deutlich. 

lO)J Die Tänzerinnen halten Becher, die Tänzer werfen ihnen Bälle zu 
auf denen kleine Vögel sitzen. 

106) Die Tänzer erscheinen als Brieftauben. 

W/J Tänzer und Tänzerin stellen Papageno und Papagena dar. 




Papageno und Papagena, die Vogelmenschen, symbolisieren das Trieb- 
leben im Gegensatz zum geistigen, welches Tamino und Pamina darstellen. 

loSJ Die Tänzer stecken in großen Eiern, aus denen sie auskriechen. 

Hier ist die Vorstellung des kleinen Vogels latent. 

ioy) Aus einem Taubenschlag lassen die Tänzer ihren Damen Tauben zu- 
fliegen. 

Iioj Eine Wand stellt ein Vogelhaus vor, aus dem die Tänzer mit Vogel- 
köpfen ausfliegen. (Abb. 17.) 

1) Vgl. Riklin, 1. c. S. 73; ferner S. 50, 82. 

2) „Die Frömmigkeit des Grafen Ludwig von Zinzendorf." Deuticke, Wien 1910. 
S. 50, 63; es wird auch als Lerchelein, Täubchen, Wundenschwänelein variiert. 

3) Vgl. Riklin, 1. c. S. 73; ferner S. 50, 82. 

4) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 67, 132, 149, 179; Angstz., S. 159. 



1 



Der KotiUon 



Hl) Die Tänzer stellen verzauberte Raben vor, die von den Tänzerinnen 
erlöst werden. 

Das Motiv des unheimlichen Tieres, das erlöst wird und sich in einen 
Mann, Prinzen, verwandelt, ist im Märchen häufig. (Oda und die Schlange, 
der Froschkönig, vgl. Riklin, 1. c.) 

112) Die Tänzer stellen Gänse vor, die auf dem Markt verkauft werden; 1 
die Tänzerinnen kommen mit ihren Körben. 2 

II}) Die Tänzer erscheinen als Hähne; auch der Hahnenkampf wird als 
Figur verwendet. 

II 4) Vogelbauer mit Vogel als Geschenk für die Tänzerin. 3 




Abb. iS 

Auch Beispiel 28 zeigt diese Symbolik. 

Ein weiteres Symbol ist der Fisch; er scheint es in bisexuellem Sinne 
zu sein, so faßt ihn in antiken Darstellungen Inman 4 auf. Viele Gebräuche 
enthalten diese Symbolik; 5 so wird in Japan nach Geburt eines Knaben ein 
Papierfisch vor das Haus gehängt. Dieselbe Bedeutung im Märchen 6 und im 
Traum. 7 Auch an das „Blutwundenfischlein" Zinzendorfs 8 sei erinnert. 

1) Vgl. die Marktfiguren und — Träume oben. 

2) Der Korb als weibliches Traumsymbol. Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 112. 

3) Dieselbe Symbolik im Traum: Spr. d. Tr., S. 152. 

4) 1. c. S. if., 68, 115. 

5) Vgl. Maeder, 1. c. 

6) Vgl. Riklin, 1. c. S. 65 f. 

7) Vgl. Spr. d. Tr., S. 138. 

8) Pfister, 1. c. S. 53. 



5 2 Dr. Alfred Robitsek 



11$) Die Tänzer tragen geflügelte Fische auf dem Kopf.' 
Eine Verdichtung von zwei Symbolen gleicher Bedeutung, Vogel und 
Fisch; Verlegung nach oben. 

II 6) Die Tänzer erscheinen als Fische verkleidet. (Abb. 18.) 
Il/J Ein Netz enthält Goldfische für die Tänzerinnen, Silberfische für die 
Tänzer. 

Wie eine Andeutung der Bisexualitiit des Symbols. 

II 8) Die Tänzer angeln nach kleinen Fischen, die z. B. als Goldfisch, 
Backfisch, Stockfisch bezeichnet sind. 

Hier erscheint das Symbol in seiner weiblichen Bedeutung; die sprach- 
lichen Bezeichnungen beruhen selbst auf dieser Symbolik. 

11$) Tänzer und Tänzerinnen erhalten Silber- und Goldfische, denen sie 
die Köpfe abreißen (um Nummern zu suchen). 

Man vergleiche folgenden Traum eines Mädchens (Spr. d. Tr., S. 158): 

„Ich bekomme einen eigenen, sehr schönen Fisch; ich spiele mit ihm. — 
Ich habe Lust, den Kopf abzubeißen. 

Stekel faßt diesen Traum als Kastrationsphantasie auf. — Auch Bei- 
spiel 59 zeigt die Fischsymbolik. — Im Märchen, z. B. im „Froschkönig", 
„Dornröschen", wie in der Psychopathologie 2 spielt der Frosch eine Rolle 
als „männliches Sexualtier". Stekel führt ihn als bisexuelles Symbol an 
(Spr. d. Tr., S. 75). 

I20j „Froschkönig." Die Tänzer tragen Froschköpfe mit einer Krone. 

Dieses Beispiel zeigt, wie der latente sexuelle Sinn des Märchens un- 
bewußt verstanden wird. 

12 1) Die Tänzer tragen Froschköpfe und stellen Frösche im Teich vor; 
die Tänzerinnen angeln sie sich heraus. 

Eine Metapher; aus dem Teich kommen bekanntlich die Kinder. 

Die nächsten Beispiele zeigen den Hund als männliches Sexualtier; als 
solches erscheint er auch im Märchen. 3 Riklin weist ferner darauf hin, 
daß er im Traum und in den traumähnlichen Erlebnissen der Geistes- 
kranken eines der häufigsten Sexualtiere ist. 4 

122) Die Tänzerinnen führen ihre Tänzer, die Hundeköpfe tragen, an der 
Leine. 

1) Vgl. den goldgeflügelten Hecht im Märchen. Riklin, 1. c. S. 65. 

2) 1. c. S. 45 f., 70. 

3) 1. c. S. 55. 

4) Solche Träume bei Stekel: Spr. d. Tr., S. 150, 136, 142. 



Der Rotillon 33 



12}) Die Tänzer erscheinen als Schoßhündchen; ein andermal als Dackel, 1 
Möpse. 2 

Aus einer großen Anzahl von Beispielen mit Tiersymbolik seien noch 
einige angeführt: 

12 4) Die Tänzer erscheinen als Ziegenböcke. 

Ein ganz populäres Symbol der männlichen Sexualität. 3 

12 j) Tänzer und Tänzerinnen tragen Glückschweinchen, die Tänzer solche 
in aufrechter Stellung. 

Das Beispiel zeigt den bisexuellen Charakter des uralten Symbols. 4 

/ 2 6) Die Tänzer tragen Tierköpfe, die Tänzerinnen stellen Tierbändigerinnen vor. 

127) Die Tänzerinnen erscheinen als Katzen. 5 

128) Die Tänzer müssen kleine, die Tänzerinnen große Fledermäuse 
fangen, die sie im Saale umherfliegen lassen. 

129) Die Tänzer als große Fliegen. 

1)0) Die Tänzer tragen Schmetterlinge 7 , die Tänzerinnen Blumen. 
Die letzten Beispiele zeigen wieder die Beziehung zum Fliegen. 

1} i) Die Tänzerinnen werden von den Tänzern als Heuschrecken verfolgt. 

Auch als Elefanten, Tanzbären, Riesenkrebse erscheinen die Tänzer. 

Häufig erscheinen die Tänzer als Schwarze, als Indianer, Chinesen usw. 
Dieser Maskierung liegt zunächst der erotische Reiz des Fremdartigen, die 
größere Polarität zwischen fremden Rassen zugrunde, anderseits wird so 
die unverdrängte Sexualität symbolisiert. Der Chinese hat noch einen be- 
sonderen Charakter (vgl. weiter unten), Der „schwarze Mann , der 
Neger sind als phallisches Traumsymbol 9 bekannt. Auch als „schwarze 
Schutztruppe ' oder als „Negergrenadiere erscheinen die Tänzer; hier wird 
der erotische Reiz des Exotischen mit dem des Soldaten verdichtet. 



1) Vgl. Spr. d. Tr., S. 153, 142. 

2) Spr. d. Tr., S. 69. 

5) Vgl. Kleinpaul, III, S. 164. 

a) Vgl. Kleinpaul, 1. c. I, 27; im Traum. Spr. d. Tr., S. 187. 

x) Dieselbe Symbolik im Traum. Spr. d. Tr., S. 157. 

ß\ Vgl. Spr. d. Tr., S. 145; es sei auch an Jupiter als Fliege in Offenbachs Operette 

erinnert. 

7) Vgl. Beispiel 3, 45. 

8) Die Heuschrecke war in der Antike ein phallisches Symbol. 

JTJie locust was employed as a medicinefor certain affections of the genitals. — To explain 
the selection of this insect for such a purpose, it mint he mentioned, that the Greeks saw in 
its cylindrical, cambered, annulated hody an analogy to the phallus" (King, The Gnostic and 
their remains; zit. nach Jennings: Phallicism, S. 272). 

9) Vgl. Spr. d. Tr., S. 157, 405. 



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34 



Dr. Alfred Robitsek 



In den folgenden Beispielen werden verschiedene sexuelle Vorgänge 

symbolisiert : 

n2 J Der Anführer einer Polonaise trägt einen Hahnenkopf (Vogel I) und 
einen Tambourstab; beim Rundgang verlängert sich dieser ums Doppelte und 
Dreifache. 

Eine allzudeutliche Anspielung auf die Erektion und ein Beweis für 
den phallischen Charakter ähnlicher Symbole. 

Itf) Die Tänzerinnen ziehen ihre Tänzer aus einem Brunnen. 

Eine Symbolisierung der Geburt. 1 

Die herabgesetzte Zensur gestattet, wie der Sexualität im allgemeinen, 
auch ihren Partialtrieben einen symbolischen Ausdruck, _. B. dem sadisti- 
schen; nur ein Beispiel von vielen: 

I M J Die Tänzer stellen Pferde vor, die Tänzerinnen Postillone. 
Andere Beispiele lassen ein latentes homosexuelles Moment erkennen; so, 
wenn die Tänzerinnen als Grenadiere, Husaren, Kürassiere erscheinen, gewohn- 
lich mit den charakteristischen Waffen, also männlichen Sexualsymbolen, oder 
als Studenten mit dem Schläger, als Advokaten im Talar 2 ; oder wenn die 
Tänzer Stubenmädchen, Ammen, selbst Ballettmädchen vorstellen. In den 
Träumen spielen die homosexuellen Verkleidungen eine häufige Rolle. 2 

Durch die angeführten Beispiele dürfte die Identität unserer Symbolik 
mit der des Traumes und ähnlicher Phantasiegebilde erwiesen sein; merk- 
würdig ist, daß hier diese Symbolik in der Wirklichkeit durchgeführt, 
konkret ist. - Im folgenden sollen einige gemeinsame psychologische 
Charaktere hervorgehoben werden. 

Es ist der Hauptcharakter des Symbols anzudeuten, nicht auszusprechen; 
so ist es dem manifesten Traum zu vergleichen, hinter welchem sich der wesent- 
liche, latente Trauminhalt verbirgt. Besonders deutlich ist dies in )e nen Figuren, 
deren Symbolik elliptisch ist. (Vgl. Beispiel 56, 6..) Wir finden diese Methode 
der Verschleierung der Symbolik auch in den folgenden Beispielen: 

I 3S ) Die Tänzer mit Mütze und Grubenlampe stellen Bergmänner vor, 
die Täterinnen tragen Mineralien, wie Gold, Kohle, Blei als Abzeichen. 

Sie stellen also das Bergwerk, den Schacht vor, in welchen die Berg- 
männer eindringen. Der Schacht ist, wie der Brunnen u. dgl., em weib- 
liches Traumsymbol. 3 

1) Vgl. Die Geburtsträume. Spr. d. Tr., S. 275. . 

Js Der Mann im langen Kleid, ein bisexuelles Symbol. Vgl. Spr. d. Tr.. S. 7 a. 

3 ) Vgl. Traumdeutung, 2. Aufl., S. 198; Spr. d. Tr., S. 275. 



Der Kotillon 55 



Inman (1. C S. lOl) sagt mit Beziehung auf die antike Symbolik: 
a hole in the ground, a crevice in the rock, a deej, cave - were symbol* 
of woman." - Eine ähnliche Andeutung ist es, wenn 

I3 6) die Tänzer als Gnomen erscheinen, die Tänzerinnen kleine Laternen 

^ 7 TtZ^I^^^ Glockchen mit alpinen Emblemen um 

den Hals. 

Tiersymbolik , Stier und Kuh werde* angedeutet, Häufig werden Dmge 

d. Symbole verwende,, deren Gebrauch ein bestimmter Rhythmus charak- 

erisiert; dieser bilde, das tertium co m para,u>ms mit dem Konus; etne wen- 

gehende „Traumentstellung« . Ein solches Symbol is, die Le.ter (vgl. Be,- 

spiel 36, 62). 

I3 SJ Die Tänzer tragen einen Amboß auf dem Kopf, auf welchen die 
Tänzerinnen mit Schmiedehämmern losschlagen. 

Die manifeste Vorstellung ist natürlich die des gequälten Ehemanns; 
diese dient zur Rationalisierung des Symboltausches. 1 

J25 Dm SSÄ^*-*- -* Namen von Flüssen; sie 
S chiXn %Xe Kuder auf die Tänzer ab, welche dieselben Namen tragen. 
Das Ruder ist das männliche, durch den Rhythmus des Ruderns charak- 
terisierte, der Fluß das weihliche Symbol. In Beispiel _ ! 4 o *£"*** 
bolik mit der uns schon bekannten des Pfeils traumahnlich verdachtet. Der 
Rollentausch sucht sie zu verschleiern. 2 

I 4 I) Die Tänzer tragen als Tambourmajor Tambourstöcke. Eine deut- 
liche Anspielung auf den Rhythmus. (Vgl. Beispiel 132.) Rutterfaß 3 
142J An die Tänzer werden Haushaltgegenstande vertedt, z. B. Butterfaß, 

Bügeleisen, Reibeisen. 

Auch hier ist der Rhythmus, der den Gebrauch der Gegenstände charak- 
terisiert, das Latente. 

Den Mechanismus der „Verdichtung"* haben wir wiederholt beobachtet. 
(Beispiel 5», 40, 83, 84 ^00, »6J Die Charaktere mehrer er Symbole werden 

O Inman, 1. c. S. 86, nennt „Ze marteau, qui frappe Venclum« Jorge hs enfantsS 
Kleinpa^n. c. II, S. 5** erwähnt, „daß die Gebärden und Werkzeuge der Liebe 

° ft S7 L r S^Ä^Ä antikes männliches Symbo! an. - 
W^LrTar ^eibUches Symbol und wurde mit den, weichen V im Gegensatz zum 
phallischen Feuer A dargestellt. Vgl. Inman, S. 32, 3»- 

5) Vgl. Kleinpaul, 1. c. III, S. 169. 

4) Vgl. Traumdeutung, 2. Aufl., S. 204t. 



— 



I j !*}•■• ^ÄZi-J-^ 



56 



Dr. Alfred Robitsek 



in eines zusammengezogen; das Resultat sind ganz traumhaft unwirkliche, 
absurde Dinge. Diesen Charakter der Absurdität, der so vielen Träumen 
anhaftet, finden wir in vielen unserer Figuren, und zwar in so ähnlicher 
Weise, daß man sie für Traumtexte halten könnte, z. B.: 

143) Die Tänzer schießen aus Pistolen, die mit einer Mundharmonika ver- 
sehen sind, Blumen auf die Tänzerinnen, diese fangen sie auf und schmücken 
damit die Schützen, welche sie auf der Pistole musizierend empfangen. 

144) Die Tänzerinnen blasen in Bierkrüge, die ein Mundstück tragen, wobei 
unter quietschendem Ton ein langer Rüssel hervorschnellt. 

14 jj Die Tänzer schleichen sich in ein Haus; eine Tänzerin reißt den 
Klingelzug ab; in diesem Moment stecken die Tänzer ihre weißen Clown- 
köpfe zu den Dachfenstern heraus. Die Tänzerinnen fliehen erschreckt. Da 
setzt sich das Haus in Bewegung und folgt den Flüchtigen nach. 

Trotz der Absurdität ist die Symbolik ziemlich deutlich. 
Die Benützung von Märchen- und Opernmotiven wie von Aktualitäten 
(Beispiel 18, 21, 85, 101, 107, 120) wäre der Rolle der fertigen Phantasien 1 
im Traume zu vergleichen. 

Die „Verlegung nach oben" spielt im Traum, in der Märchen- 
symbolik, 2 wie bei den neurotischen Symptomen 3 eine große Rolle; sie 
besteht darin, daß die Bedeutung der Genitalzone auf eine andere, z. B. 
den Mund verschoben wird. 

Vor allem sind es der Kopf oder die Kopfbedeckung, die so zum 

Symbol werden (Beispiel 5, 

gjjjf 4, 5, 44—47. 61, 65, 72). 

Einen ganz besonderen 

Charakter zeigt das folgende 

Beispiel : 

146) ,, Die Kopf losen'". „Die 
Tänzer haben ihren Kopf ver- 
loren und kommen nun kopf- 
los in den Ballsaal, um nach 
ihren Köpfen zu suchen. Die 
Tänzerinnen suchen vergebens 
mit. Man rät ihnen, nachzu- 
sehen, ob die Köpfe vielleicht 
nur in den Brustkasten hinuntergerutscht seien, und richtig, die Tänzerinnen 
öffnen die Klappen und die Köpfe gucken heraus." (Abb. 19.) 




Abb. ig 



1) Vgl. Traumdeutung, 2. Aufl., S. 504 f. 

2) Vgl. Riklin, 1. c. S. 61. 

5) Vgl. Freud: Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre, II, S. 25. 



Der Kotillon 



37 




Abb. 20 



Der Kompromiß zwischen der Genitalzone und der Verlegung nach oben 

wirkt komisch. . Q ,. 

Zahlreiche Traumanalysen 1 und andere Beobachtungen zeigen, daß die 
Nase häufig phallisches Symbol ist; dies^isf von alters her populär. 

„Noscitur ex naso, qualis sit hasta vin. 
Übrigens besteht zwischen beiden Organen 
ein tieferer biologischer Zusammenhangt — 
Auch diese Symbolik benützt die Verlegung 
nach oben. Ein Beispiel von vielen: 

14J) Die Tänzer tragen Nasen von ver- 
schiedenen Dimensionen, die sich aufblasen 
und einziehen lassen. (Abb. 20.) 

Darstellung der Erektion durch das Sym- 
bol. Auch der Zopf ist ein phallisches 

Symbol im Unbewußten« und ein Beispiel für die Verlegung nach oben. 
Dies erklärt die Symbolik des Chinesen .5 

14SJ Die Tänzer erscheinen mit chinesischen Mützen und Zöpfen von ver- 
schiedener_ Lange.^ ^^ Chinesen vor; di e Tänzerinnen reißen ihre Zöpfe ab. 

Eine Kastrationsphantasie, wie in den Beispielen 93 und 119. 

Auch die Riesenschnurrbärte, 6 Riesenkrawatten," mit welchen 
die Tänzer erscheinen, sind Sexualsymbole, hier wie im Traum, und Bei- 
spiele für die Verlegung nach oben. Der Bart wird als sekundärer Sexual- 
charakter Symbol des primären, die Krawatte als charakteristischer Teil der 

männlichen Kleidung. 

Ganz traumähnlich ist die Art, wie die Sprachsymbolik wörtlich genommen 
und konkret dargestellt wird; auch hier werden, wie durch die Traum- 
regression Vorstellungen in das sinnliche Bild rückverwandelt, aus dem 



1) Vgl. Spr. d. Tr., S. 182. 

2) Kleinpaul, 1. c. I, S. 108. 

J) Vgl Fließ: Ober den ursächlichen Zusammenhang von Nase u. Geschlechtsorgan. 

J) Dies ist die Psychologie des Zopfabschneiders, bei welchem die infantile Vor- 
stellung von der Frau mit dem Penis wirksam ist und der so „am weiblichen Geni- 
tale den Akt der Kastration ausführt". Freud: Eine Kindheitserinnerimg des Leo- 

nar 5 ) Der Chinese wird im Traum bisexuell aufgefaßt. Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 7 2; 
Rank: Jahrbuch II, S. 513. 

6) Vgl. Stekel: Spr. d. Tr., S. 494. 

7) Vgl. Freud: Traumdeutung, 5. Aufl., S. 211. 



. : 



^y" 



58 



Dr. Alfred Robitsek 



sie irgend einmal hervorgegangen sind (Traumdeutung, S. 555). So werden 
symbolische Wendungen, wie „unter dem Pantoffel" (Beispiel 16), „ge- 
brochene Herzen" (31), „vereinte Herzen" (32), „Liebe macht blind" (47), 
„Der Schlüssel zum Herzen" (86), „sich einen Mann (Frau) angeln," „Gold- 
fisch" (118), „auf dem Mann herumhämmern" (158), „kopflos" (146), wört- 
lich genommen und dargestellt. Ganz ähnlich verfährt der Traum. 1 

Eine weitere Beziehung zum Traum ist der infantile Zug, 2 der Cha- 
rakter des kindlichen Spieles, den alle diese Figuren haben; in manchen 
werden direkt Kinderspiele verwendet (Beispiel 7, 8, 9). Dieses Sichaus- 
schalten, Aufgeben eines Niveaus, diese Rückkehr ins Kinderland, in das 
„verlorene Paradies" ist an und für sich, sowie durch den Kontrast mit der 
gegenwärtigen Reife lustbetont. Ein anderer, unbewußter Faktor dieser Lust 
ist, daß das Kinderspiel bei einer erotischen Situation, dem Tanz, zur Dar- 
stellung von Sexuellem verwendet wird. Umgekehrt wird die erotische 
Symbolik durch die kindliche Einkleidung verschleiert, harmlos gemacht. 

Wir haben den Tanz 3 als erotische Ersatzhandlung aufgefaßt, als sym- 
bolische Erfüllung eines erotischen Wunsches. Dieser Wunschcharakter 
kommt auch in vielen einzelnen Zügen der Symbolik zum Ausdruck: so 
bedeuten die zahlreichen Phantasien, in denen der Tänzer erst verhüllt, 
versteckt ist, sich dann enthüllt, das Moment der erotischen Erwartung, 
Spannung, Lösung der Ungewißheit über die erotische Zukunft und die 
Erfüllung; aber auch mit Anwendung jenes psychologischen Mechanismus, 
den Silberer „funktionales Phänomen" genannt hat, 4, die unterdrückte 
und dann befreite Sexualität. Wunschcharakter hat ferner, daß die erotische 
Erwartung und endliche Befriedigung, die im wirklichen Leben lange Zeit 
ausfüllt, hier in spielerischer Weise rasch erregt und gelöst wird, ferner, daß 
dies öfter wiederholt wird; hier kommt der polygame Wunsch zum Aus- 
druck, welchen die Kultur besonders in der Frau unterdrückt. Dann hat 
die Verkleidung, Maskierung überhaupt Wunschcharakter; der Wunsch, das 
eigene „Ich" mit seinen Forderungen auszuschalten, der nach dem Unge- 
wöhnlichen, Exotischen, ist da erfüllt. Wie die Zensur im Traume den 
verdrängten Komplexen gestattet, als Personen, als „Masken" aufzutreten, 



1) Vgl. Traumdeutung, 2. Aufl., S. 246, 251. 

2) Vgl. Traumdeutung, 2. Aufl., S. 132 f. 

5) Bei vielen dramatischen Tänzen werden erotische Symbole benützt, z. B. bei 
den Waffen-, Fackel-, Schleier-, Schlangentänzen. Die letztangeführten machen ganz 
den Eindruck einer symbolischen Phallusanhetung. 

4) Silberer: Jahrbuch für psychoanalytische Forschungen, I, S. 517. 



Der Kotillon . 39 



so erlaubt die Sitte auf den Maskenbällen, Redouten, der sonst unterdrückten 
Sexualität freieren Ausdruck. 

Hervorzuheben ist die häufige Wunscherfüllung durch Kontrast; 
so wenn Tänzer und Tänzerin Soldat und Magd, Bauer und Bäuerin u. dgl. 
vorstellen. Damit wird die eigene Vornehmheit lustvoll empfunden und 
zugleich symbolisch ein Kulturniveau dargestellt, das einen freieren Aus- 
druck der Sexualität ermöglicht. Das ist der Sinn und der Reiz aller 
Bauern-", „Lumpen-" und „Gesindebälle". Oder es werden Kostüme von 
"Anno dazumal" benützt und mit diesen Großelternrequisiten der lustvolle 
Kontrast zur eigenen Jugend hergestellt; das Gegenstück dazu ist die Ver- 
kleidung der Paare als Schulkinder, Babys usw., durch welche die eigene 
aktuelle Reife hervorgehoben wird. Wenn die Tänzer mit grotesken Köpfen, 
Glatzen, unförmlichen Nasen, schielenden Augen erscheinen, wird dadurch 
die eigene Schönheit umso stärker empfunden. - Häufig erscheinen die Tanzer 
als Teufel die Tänzerinnen als Engel. Der Teufel und ähnliche Gestalten 
sind Symbole für das unterdrückte Triebleben,' im Traum und in der 
Volkssprache auch direkt phallisches Symbol, 2 der Engel symbolisiert die 
Jungfräulichkeit. Auch hier ist die Wunschtendenz deutlich: das Ideal der 
Frau ist der erotische Mann, der „Teufelskerl", das des Mannes der „Engel . 
Wir hatten angenommen, daß die sonderbaren Phantasieprodukte, mit 
denen wir uns hier beschäftigt haben, unter ähnlichen psychischen Kon- 
stellationen entstehen wie die Träume, und erwartet, daß ihre Symbolik 
wie ihre psychologischen Mechanismen ähnlich sein würden. Dieser Beweis 
dürfte gelungen sein.5 Wir konnten ferner in zahlreichen Fällen die 

i) Vgl. Silberer: Jahrbuch, II, S. 5^1 Freud: Neurosenlehre, II, S. 156. 

»\ Vgl. Stekel: Angstz. S. 104; Kleinpaul, III, S. 164. 

sO Es seien gegen den naheliegenden Einwand, daß hier in harmlose Dinge 
sexuelle Symbolik hineingeheimnißt wurde, noch einige Argumente vorgebracht. 
Zunächst sei bemerkt, daß die angeführten Beispiele leicht hätten verdoppelt werden 
können doch dürfte die Zahl von über 150 genügen, um zu zeigen daß wir es 
nicht mit einem zufälligen Zusammentreffen von Ähnlichkeiten mit den anderen 
Reihen von Symbolen zu tun haben. Anderseits sei bemerkt, daß eine ganze Anzahl 
von Figuren keine deutliche Symbolik zeigt. Die Ursache hievon ist, daß sie genetisch 
eben doch nicht auf ein Niveau mit den Träumen und anderen Produkten des 
Unbewußten zu stellen sind, da der bewußte Zweck - geschäftlichen Zwecken 
.„ dienen _ den weit größeren Anteil an ihrer Entstehung hat, als das Unbewußte. 
Sie sind- sozusagen -exoterisch; doch zeigt die große Anzahl von symbolischen Figuren 
mit ihren schlagenden Identitäten, wie sich das Unbewußte manifestiert, wo ihm 
nässendes Material geboten wird. - Während wir bei der Traumanalyse von der 
Deutung des Symbols auf den latenten sexuellen Sinn, bei der Analyse »«*«*« 
Erscheinungen vom Symptom auf die sexuelle Wurzel schließen, durch welche Methode 



"«■*" :•••• -:-'2 



40 Dr. Alfred Robitsek 



Identität mit der Symbolik der Psychopathologie, der Sprache, der Märchen 
und Mythen, sowie der antiken Kulte zeigen. Das gleiche Phänomen auf 
so verschiedenen Gebieten läßt uns das gleiche wirksame Prinzip erwarten. 
Wir finden es in der Sexualverdrängung und in der psychischen Zensur, 
die das Sexuelle nur symbolisch zum Ausdruck kommen läßt. 1 Gerade diese 

der sinnlose Traum sich als sinnreich, das unverständliche Symptom als verständlich 
erweisen, — wissen wir bei unseren Figuren a priori, daß es sich um eine aus- 
schließlich sexuelle Situation handelt. Schon dieser Umstand gibt der Richtigkeit 
unserer Deutungen hohe Wahrscheinlichkeit; zur Gewißheit wird sie durch die 
Beobachtung, daß verschiedene Forscher auf ganz verschiedenen Gebieten von den 
verschiedensten Voraussetzungen ausgehend wesentlich zu denselben Symbolen gelangen. 

Inman steht auf dem Boden des Glaubens, und seine Forschungen haben den 
Zweck, die Religion von den „heidnischen" sexuellen Symbolen zu reinigen; Har- 
grave Jennings betrachtet die Phallusverehrung als den ältesten Kult und behandelt 
die Symbolik objektiv, aber beide, wie andere Forscher auf diesem und ähnlichen 
Gebieten, kommen zu einer Reihe von Symbolen, die in zahlreichen Fällen mit den 
unseren identisch sind. 

Eine zweite Reihe finden wir als Resultat der Sprachforschung (Kleinpaul) der 
Folkloreforschung (Anthropophyteia usw.) sowie in den Witzen, Couplets u. dgl. 
Auch hier sind die Übereinstimmungen zahlreich. 

Eine dritte Reihe liefern uns die Traumanalysen, die Neurosenpsychologie, sowie 
die mit dieser zusammenhängende Mythen- und Märchenforschung der Freudschen 
Schule. Wir konnten in dem bisher publizierten, immerhin beschränkten Material 
fast alle unsere Symbole wiederfinden, ja ganz parallele Phantasien (Schiff, Markt, 
Rettung) und ungewöhnliche Details (nackte Zehe, Chapeau claque, verdrückter Hut, 
aufgespannter Schirm, abgerissener Fischkopf). Wir konnten hier aber auch die 
Identität der psychologischen Mechanismen zeigen. Auch die Art, wie in zahlreichen 
Figuren die Symbolik verschleiert wird (Rollentausch, Beteilung beider Geschlechter 
mit einem Symbol, Umkehrung), sobald sie (nach unserer Annahme) zu deutlich 
wird, ist für den sexuellen Charakter beweisend. 

Die vierte Reihe von Symbolen ist die in unseren Beispielen gefundene. 

In der Chemie gelten zwei aufeinander und auf eine theoretisch angenommene 
Formel stimmende Analysen als beweisend — hier haben wir vier Resultate, die 
aufeinander und auf die Theorie stimmen. 

1) Das mystische Symbol wie das mystische Zeremoniell sind gleichfalls Ausdruck 
des Prozesses der Triebverdrängung, als dessen Produkte wir die Religionen und 
Kulte ansehen. In Zeiten primitiver Kultur, d. i. unverdrängter Sexualität, wurden 
die Organe, die das Wunder, das Leben schufen, in ihrer wirklichen Gestalt verehrt; 
ein Teil der ältesten Kulte war die Phallus- und Kte'isverehrung. Die fortschreitende 
Kultur, die ja eben in der Tri ebver drängung und Sublimierung bestand, setzte an 
Stelle der Zeugungsorgane Symbole, Bilder für diese, poetische Umschreibungen, 
die dem Charakter der Verdrängung, Heiligung entsprachen (z. B. das Feuer, die 
Schlange — das Wasser, den „heiligen Hain"). Vielleicht war einer der bei diesem 
Prozeß wirksamen Faktoren der Ahnenkult, die Pietät gegen die „Erzeuger", ein 
anderer vielleicht das Schamgefühl. Während sich der menschliche Körper von der 
Tierähnlichkeit zur Schönheit entwickelt hat, haben die Genitalien diese Entwicklung 
nicht mitgemacht, sind tierähnlich geblieben. Nie hat sie ein Künstler in ihren 
wirklichen Dimensionen, mit ihrer Behaarung dargestellt. Der Mensch fühlt sich 



Der Kotillon 



4 ; 



Unterdrückung bewirkt, daß die Sexualität jedes Material benützt, um sich 
zu manifestieren. „/ Cannot help regarding the sexual elemenl as the key, 
which opens almost every lock of symbolism , meint Inman, 1 und Klein- 
paul sagt: 

„Der Mensch sexualisiert die Welt." 



Diese Arbeit wurde bereits 
1911 geschrieben; es fehlen 
daher Hinweise auf spätere 
psychoanalytische Veröffentli- 
chungen, durch die die einzel- 
nen sexualsymbolischen Deu- 
tungen durch Parallelen aus 
Neurosenlehre und Völker- 
psychologie noch weiter belegt 
werden könnten. 



durch sie in seinen Gottähnlichkeitsträumen gestört. „Nur unser Unterleib hindert 
uns, uns als Halbgötter zu fühlen" (Nietzsche). — Entspricht die Symbolbildung 
der Sexualverdrängung der Neurose, so finden wir auch den der Sexualüber- 
schätzung in den alten Kulten. Phallus und Kte'is erhalten eine übersinnliche, 
metaphysische Bedeutung, sie werden Symbole für ein männliches und weibliches 
kosmisches Prinzip, ihre Vereinigung stellt symbolisch die Weltschöpfung dar 
(Lingjoni). — Führt die Triebverdrängung einerseits zum Symbol, so bildet sie 
anderseits mit dem Stück Affekt, das sie von seinem ursprünglichen Objekt, dem 
Trieb, abgetrennt, hat, das Kultzeremoniell aus (vgl. Zwangshandlungen und Religions- 
übungen; Freud: Neurosenlehre, IL Teil). Von dem Prozeß der Verdrängung, 
Unterdrückung bleibt das Gefühl des Verborgenen, des Geheimnisses im Bewußtsein 
zurück; dieses wird auf das Symbol, wie auf das Zeremoniell übertragen. So ent- 
stehen mystisches Symbol, mystischer Sinn von Phallus und Kte'is und mystisches 
Zeremoniell. Der „esoterische" Sinn vieler religiöser Symbole und Zeremonien ist 
ein sexueller. — Das Interesse so vieler Neurotischen an allen Formen der Mystik 
beruht darauf, daß sie in dieser etwas fühlen, das einem ähnlichen Prozeß seine 
Entstehung verdankt, wie ihre eigenen symbolischen Symptome und Zeremonielle. 
1) Inman, 1. c. S. 101. 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien VII, Andreasgasse 3 



Das Buch vom Es 

Psychoanalytische Briefe an eine Freundin 

von 

Georg Groddeck 

Ein Breviarium des Freudianismus für alle Wissenschaftsverächter. Der Brief- 
schreiber nennt sich Patrik Troll und macht diesem lustigen Namen alle Ehre, 
pfeift auf die Wissenschaft, schreibt amüsant, geistreich, kritiklos und mit der 
üblichen Entdeckerfreude. Es gelingt ihm mühelos, auf alles den reinsexuellen 
Reim zu finden. Die Herren Kollegen werden sich vielleicht darüber ärgern, 
die „Laien" aber werden verblüfft und bewundernd staunen über die fröhliche 
Ungeniertheit und Offenheit in der Art des sechzehnten Jahrhunderts. Und 
weil dieser derbe Stil damals doch vielleicht so eine Art geistiger Exhibitionis- 
mus war, so wird der Verfasser sich über die Wirkung auf seine Leser könig- 
lich freuen. ( Neue Zürcher Zeitung.) 

Ein amüsanter Schriftsteller. Die AufdrÖselung psychischer Karten, die Bloß- 
legung verwickelter Seelensituationen ist nicht so sein Gebiet wie das Erkennen 
des Sexuellen rechts und links im Seelenleben. Er spricht sich freimütig mit 
der boshaften Ruhe des erfahrenen Arztes über tausend Alltagsdinge aus, 
plaudert, plaudert. Die Briefe sind an eine Freundin geschrieben; das Unan- 
ständige verliert im Spaßhaften, Überlegenen seinen Charakter. 

(Alfred Dublin in der Vossischen Zeitung.) 

Ein vollständiger Skeptiker und mildert das nur dadurch, daß er sich selber 
nicht schont. (Dr. Drill in der Frankfurter Zeitung.) 

Ein sehr merkwürdiges, durch seine temperamentvolle Offenheit ungewöhnlich 
fesselndes Buch, in dem viele zynische Ehrlichkeiten, manche „goldene Rück- 
sichtslosigkeiten" stehen. Er ist klug, daß er die einzelnen Themen in die 
lockere Kapitelform der Briefe fügte. Doch wäre dem immerhin heiklen Inhalt 
die Form des intimen Gesprächs vielleicht noch zweckmäßiger angepaßt. 
Schwarz auf weiß pflegt man solche Gedanken einer Frau kaum zu geben. Ich 
kann mir diese höchst persönlichen, aller Prüderie, aber auch aller Scham 
entkleideten Briefe über Psychoanalyse eher als sein- wahrscheinliche Gespräche 
zwischen Ehegatten oder Liebenden denken. Wie dem auch sei, dies Buch ist 
ein mutiges Aufklärungs- und zugleich ein Bekennerwerk . . . Die Fähigkeit 
ausschweifenden Phantasierens und scheinbar ziellosen, im Grunde aber recht 
logischen Kombinierens ist das Merkmal dieses fesselnden Buches. 

(Gertrud Isolani in der Berliner Börsenzeitung.) 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien VII, Andreasgasse 5 



Über das vorbewußte 
phantasierende Denken 

von 

Dr. J. Varendonck (T) 

(Gent) 

Aus dem Englischen übersetzt von Anna Freud 
Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Sigm. Freud 

Das Buch des Dr. Varendonck enthält eine bedeutsame Neuheit und wird mit Recht das 
Interesse aller Philosophen, Psychologen und Psychoanalytiker erwecken. Es ist dem Autor 
in jahrelangen Bemühungen gelungen, jener Art von phantasierender Denktätigkeit habhaft 
zu werden, welcher man sich während der Zustände von Zerstreutheit hingibt und in die man 
leicht vor dem Einschlafen oder bei unvollkommenem Erwachen verfällt . . . Er hat dabei 
eine Reihe von wichtigen Entdeckungen gemacht. (Aus dem Geleitwort von Prof, Freud.) 

Die Fruchtbarkeit der Anregungen, die von dem Werke Freuds für die Psychologie noch 
ständig ausgehen, zeigt die vorliegende Arbeit eines vlämischen Gelehrten mit besonderer Ein- 
dringlichkeit. V. hat die Muße eines zweijährigen Kriegsdienstes als Dolmetscher hinter der 
englischen Front dazu verwandt, das richtungslose Denken zu fassen und zu beschreiben, das 
in der Zerstreutheit beim sogenannten Abschweifen der Gedanken, bei Tagträumereien, vor dem 
Einschlafen vor sich geht. Das Material ist außerordentlich wertvoll und aufschlußreich . . . 

(Zentralbl. f. d. ges. Neurologie u. Psychiatrie.) 

Eine wertvolle Bereicherung der psychoanalytischen Literatur. 

(Monatsschrift f. Kriminalpsychologie.) 

Ein überaus wertvoller Beitrag zur Denkpsychologie. Für die Pädagogik sehr bedeutungsvoll. 

(Zeitschr. f. pädag. Psychologie.) 

Man wirft der Psychoanalyse oft vor, sie neige mit ihren Methoden zu allzu einseitiger . 
Beurteilung der Dinge (neigt hiezu nicht jede Wissenschaft ein wenig?) und gehe mit ihren 
Schlußfolgerungen viel zu weit. Das Urteil darüber, ob diese und noch andere Vorwürfe 
berechtigt sind, wird man der Nachwelt überlassen müssen. So viel aber darf man heute schon 
behaupten, daß die jüngste Varendoncksche Arbeit in ihrer ernsten und maßvollen Art zu den 
Leistungen gehört, die die Eigenschaft besitzen, ihrer Sache neue Anhänger zu werben. 

(Frankfurter Nachrichten.) 

Ohne Zweifel, eine wertvolle Arbeit! Besonders für die Erforschung der Phantasietätigkeit 
des Dichters ist hier eine bedeutsame Unterlage aus dem normalen Seelenleben geschaffen. 

(Literarisches Echo.) 

Glänzend ist die Selbstbeobachtung und Selbstanalyse durchgeführt; sie allein schon ver- 
dient, das Buch dem psychologisch interessierten Leser zu empfehlen. (Der Schulwart.) 

Die überaus reiche, aufs sorgfältigste überdachte und gegliederte Fülle des Stoffes ist durch- 
wegs durch eine eingehende Selbstbeobachtung und Selbstzergliederung gewonnen. 

(Zeitschr. f. Sexualwissenschaft.) 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien VIT, Andreasgasse 3 



Das Trauma der Geburt 

und seine Bedeutung für die Psychoanalyse 

von 

Dr. Otto Rank 

Inhalt: Analytische Situation. Infantile Angst. Sexuelle Befriedigung. Neuroti- 
sche Reproduktion. Symbolische Anpassung. Heroische Kompensation. Religiöse 
Sublimierung. Künstlerische Idealisierung. Philosophische Spekulation. Psycho- 
analytische Erkenntnis. Therapeutische Wirkung. 

Aus dem Nirwana des Lebens im mütterlichen Schoß wird das Kind durch ein erstes gewalt- 
sames und erschütterndes Erlebnis, durch die Geburt in eine Welt hinaus e etrieben, die von 
ihm mit zunehmendem Alter immer größere Anpassungsleistungen fordert Für den Neurotiker 

S/w 6 ErSTÜ? ^ " TraUma " ^ GebUrt *"«—■«* Bedeutung. Wir sehen ab" 
sein Wiederkehr nicht nur to der neurotischen Reproduktion, bei tieferer Untersuchung 
finden wir sie auch m der Entwicklung der Normalen, in der Kunst, Religion, Philosophie 
überall m der ganzen Kultur. Dies weist Rank in seinem prachtigen Buch'nach Dast 

jeder Hinsicht tief und reich angelegte Buch ist Freud gewidmet. Wir legen es mit dem Ein 
druck aus der Hand, daß seine Bedeutung für den Fortschritt der Psychologe IT^TjZ 
analyse im speziellen heute noch gar nicht abgeschätzt werden kann . . . Wir Lehrer sind in 
unserer Arbeit an das Kleine und oft Kleinliche des menschlichen Lebens gefesselt. Es bedeutet 
für uns eine Erquickung, durch Ranks Buch in ungeheuer große Zusammenhänge der mensch- 
lichen Natur hineinzublicken, welche Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft in eine Ein- 
heit fassen und das Seelische gleichsam dreidimensional erleben lassen. (Berner Schulblatt.) 

Imponierend durch die Weite der Konzeption und die Geschlossenheit der Theorie die 
keine Tatsache unberücksichtigt läßt, überrascht das Buch zugleich durch seine grandiose 
Einseitigkeit und den Sprung, den es von der Biologie zur Psychologie macht. Die Ausfüll- 
rungen Ranks bedeuten einen ersten Versuch, die psychoanalytische Denkweise als solche für 
das ^ erstandms der gesamten Menschhcitsentwicklung, ja sogar Menschwerdung fruchtbar 
zu machen. ,, r _. " „ 

(Neue Freie Presse.) 

Man sieht eine kühn geschwungene Riesentreppe, die uns zu den Wolken emporzuführen 
verspricht, deren Fundament jedoch leider nicht auf festem Boden steht ... Das Urteil über 
die Grundfesten der These Ranks muß verschoben werden, bis die Nachprüfung möglich 
T •'« ' spraclüiche Darstellung ist treffend und das riesige Gedankenmaterial mit sicherem 

Irrirr zusammenfassend, durch glücklich gewählte und geschickt vorgebrachte Formulierungen 
ebenso ausgezeichnet, wie durch die verblüffende und doch nie in leere Sophisterei ausartende 
JJialektik . . . Trotz der Einseitigkeiten und Übertreibungen bietet der Hinweis auf die bisher 
übersehene oder unterschätzte Bedeutung des Geburtserlebnisses der Psychoanalyse eine wert- 
volle Bereicherung und Ranks psychologischer Scharfblick mag sich auch hier wieder erprobt 
3 en " iH. Saclis in der Internat. Zeitschr. f. Psychoanalyse.) 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien VII, Andreasgasse 5 



Versuch einer 

Genitaltheorie 



von 



Dr. S. Ferenczi 



Inhalt: Einleitung;. — A) Ontoge netisches. Die Amphimixis der Erotismen im 
Ejakulationsakt. Der Begattungsakt als amphimiktischer Vorgang. Entwicklungs- 
stufen des erotischen Realitätssinnes. Deutung einzelner Vorgänge beim. Ge- 
schlechtsakte. Die individuelle Genitalfunktion. — B) Phylogenetisches. 
Phylogenetische Parallele. Material zum „thalassalen Regressionszug". Begattung 
und Befruchtung. — Anhang und Ausblicke. Koitus und Schlaf. Bio- 
analytische Konsequenzen. 

Wie immer man die Hypothesen Perenczis betrachten mag, selbst wenn man 
sie nur als phantastische Exzentrizitäten eines einseitig eingestellten Psycho- 
analytikers würdigt, sie verdienen das Interesse des Lesers schon durch das 
Streben, die rein biologische Auffassung der Genitalität durch Vermischung mit 
psychoanalytischem Denken auszudeuten. (Placzek im Archiv für Fr auenkundc.) 

Im Mittelpunkt steht die ehemals so übel beleumundete „Mutterleibsregression", 
heute hineingestellt in eine Menge sinnvoll erfaßter Tatsachen, Phantasien und 
Ausnahmen . . . Ferenczi verfolgt den „thalassalen Regressionszug" hinein in 
vielerlei biologische und beschreibend-zoologische Fakta, diesen neue Deutung 
gebend; andererseits hinein in das nur introspektiv erfaßbare psychische Gebiet. 
Überall ein intensives Streben nach Vollständigkeit und weitesten Grenzen, ge- 
paart mit subtilster Erfassung von Einzelheiten. 

(Schultz-Hencke in der Zeitschrift für Sexualwissenschaft.) 

Dr. Ferenczis bold and adventurous mind has produced a work füll of inge- 
nious Suggestion and speculation, and much of it may be of considerable 
heuristic value. 

(Prof. A. G. Tansley in The British Journal of Medical Psychology.) 



A most fascinating and stimulating monograph. 



fec 



(The Psychoanalytic Review.) 



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Wien VII, Andreasgasse 3 

Der eigene und 
der fremde Gott 

Zur Psychoanalyse der religiösen Entwicklung 

von 

Dr. Theodor Reik 

• 

Inhalt: Über kollektives Vergessen. Jesus und Maria im Talmud. Der heilige 
Epiphamus verschreibt sich. Das Evangelium des Judas Ischarioth. Die psycho- 
analytische Deutung des Judasproblems. Gott und Teufel. Die Unheimlichkeit 
fremder Götter und Kulte. Das Unheimliche aus infantilen Komplexen. Die 
Äquivalenz der Triebgegensatzpaare. Über die Differenzierung. 

*2£S£ werfet ah te «*"**»** "** "harfsinnigste Religionspsychologe unserer 

(Schulreform, Bern.) 

Ein geistreiches Buch. Ein Versuch, die Erscheinungen der relieiösen DM»JI«>U M i, •♦ 
Intoleranz zu erklären und den Ursachen der religiösen VerscSXitenT« 'h S" ^ 
Reik ist einer der hellsten Köpfe unter den Psychoanalytikern " nachzuforschen - 

(Alfred Döblüi in der Rassischen Zeitung.) 

Gut, wenn auch wohl zu fein durchgeführt, ist die Annivsp «w p,»,...; 

Geteiltheit, eine „Äquivalenz von SS!SZS^ASSiS£SSS^ M "2 T™ 
Methode, die so tiefe Sachverhalte aufdecken kann, ISTSS^SSLi' "^ ^ "" 

(Prof. Titius in der Theologischen Literaturzeitung.) 

wtf R ei J ahrt t USen 1 e ha v e " Ü J ber ^/«aMproblem gegrübelt und es fast zergrübelt.. . Nun 
EflSK PS lf 0ana l yt,5Ch a " ?"? tief8ten Fragen heran • • • Im Mittelpunkt steht die Deutung 
des Judasproblems Jesus und Judas in ihren Wurzeln verschmolzen und einwesenhaft. Sn 

E^5 aTf t T l °Tf, an " kennen • • ' Rücksichtslos geht der Weg, zwar oft durch 

SSSS,Zl S SST ken r d t k0lleS GraUen " AbCr WCr de " MlU dazu hat - kan « ** 9«*0* der 
sachkundigen Fuhrung Re,ks anvertrauen. (Bremer nJ^J^ 

ein^e»os e T SüJ* wird starken A " stoD erre 8 en ' "»* doch . . . findet man immer wieder etwa, in 

denen ™L rf eemC ^ "? ZWar SO ' da ° " einleuchtet - Wieviel Bücher gibt es denn, von 
denen man das sagen kann ? (Dr , Drill in der PrmkfUrter Zeitungt) 

MuSSSSÄ! d6S *"*«* j iegt darin ' daß M ~ auch dem nicht auf dem Boden der psycho- 
^yüschen Theorie Stehenden - zeigt, wie die Psychoanalyse der Religionspsychologie und 

KKSw**' ^ ^ lgem T en ReJieionswissenschaft überhaupf maLWh bisher 

unDetretene Wege zu weisen imstande ist. 

(Dr. theoL et phü. F. K. Schumann in der Zeüschrift für Sexualwissenschaft.) 

„J^!„K UCh ist . unmittelbar erschütternd. Es versäume niemand, dem psychologischen Zu- 

t,^™ n 8 ZW T^ n ? riStUS ""d Judas Ischarioth unter Reiks sachkundig«- Führung "aS- 

~ r r e Q " teE ™ fru * mag leicht ähnlich erschreckend wirken, wie die Begegnung mit 

als hri!sarn d " SchwelIe ; allein auch '»er wird sich der Schreck, vom Richtigen richtig erlebt, 

als heilsam erwe 1S en. (Graf Hermann Keyserling im Weg zur Vollendung ) 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien VII, Andreasgasse 3 

Der politische Mythus 

Beiträge zur Mythologie der Kultur 



von 



Dr. Emil Lorenz 



Diese Schrift aus dem Freudschen Kreise enthält drei Aufsätze, von denen 
der erste den Mythus vom Staat untersucht. Auf drei in letzter Linie erotischen 
Tendenzen beruht, wie alle menschliche Gemeinschaft, so auch der Staat: auf 
der väterlichen, der mütterlichen und der mann-männlichen. Daher Vaterland, 
Mutterland. Aus jenen Grundtendenzen erklären sich die großen politischen 
Geschehnisse: Tyrannenmord, Revolution, Freiheitskampf. Der zweite Aufsatz 
geht an Hand von Swinfaurnes „Hertha« dem Gedanken des mütterlichen Staates 
tiefer auf den Grund. Den letzten Schritt in dieser Richtung tut der dritte und 
wohl auch bedeutsamste Aufsatz über die Psychologie des integralen Denkens. 
Verfasser bildet hier den Begriff des „psychischen Integrals" und versteht 
darunter das seelische Ur- und Totalerlebnis noch vor der Differenzierung in 
Subjekt und Objekt . . . Mit der Heranziehung und Auswertung des Mutter- 
Imago geht Lorenz über Freud hinaus . . . Namentlich der dritte Aufsatz bleibt 
auch für den Religionsforscher von Bedeutung, da er ihm alte Stoffe und Fragen 
in neuer Beleuchtung zeigt. (Theologische Literaturzeitung.) 

Vorwiegend programmatische Arbeit. Hält sich an die Traumsprache des Un- 
bewußten, d. h. in der Völkerpsychologie an den Mythus und weist an Beispielen 
hauptsachlich die Beziehung von Vater- und Muttersymbolik zu politischen Vor- 
gängen nach. (Batom Tageblatt.) 

In seiner edlen Wissenschaftlichkeit die Wage des Für und Wider liebevoll 
austarierend, ein Apotheker magischer Destillate und wiederum - wäre das 
Wort nicht so zerbeult: ein Barockmensch - dosiert er seine Gedanken. In 
keiner Bibliothek eines politischen Menschen sollte das Buch fehlen Der poli- 
tische Mythos« ist ein endliches Loslösen vom utilitaristischen Starrsinn 

(Klagenfurter Zeitung.) 

Diese Darlegungen verdienen nicht nur das Interesse des Forschers, sie sind 
auch ebenso beachtenswert für den Künstler wie den gebildeten Laien. 

(Trierer Zeitung.) 

In der Durchleuchtung der Seele von Revolutionen spürt er mit unendlich 
scharfsinnigem und feinfühligem Geiste, geschult an den modernsten Methoden 
psychoanalytischer Forschung, den inneren Ursachen und Antrieben von Massen- 
bewegungen nach und findet in den Trägern dieser Umstürze geheime unbe- 
wußte Motive wirksam, die er geistreich bis zu den Keimzellen und Urformen 
zurückverfolgt . . . Eine besondere Verankerung im Gegenwärtigen erfahren 
seine Ergebnisse durch die Gegenüberstellung der beiden hauptsächlichsten 
Bestattungsarten Begraben und Verbreimen. (Freie Stimmen) 



Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien VII, Andreasgasse 3 



Dostojewski 

Skizze zu seiner Psychoanalyse 



von 



Jolan Neufeld 



Wie ist es möglich, daß ein Mensch so loyal gesinnt ist und dabei an einer 
Verschwörung gegen den Zaren teilnimmt? Wie kann jemand tief religiös und 
zugleich absolut ungläubig sein? Woher kommt es, daß ein Mensch, der mit 
jeder Nervenfaser an seiner Heimatscholle klebt, Monate, ja Jahre im Auslande 
verbringt? Dem Gelde ununterbrochen nachjagt, um es dann wie etwas voll- 
kommen Wertloses zum Fenster hinauszuwerfen? Rätselhafte Charaktere, ent- 
gleiste Perverse sind seine Helden und geben uns Rätsel auf, die mit der Be- 
wußtseinspsychologie nicht lösbar sind. Der Zauberschlüssel der Psychoanalyse 
aber sprengt die Schlösser. (Aus der Einleitung.) 

Der ernste, etwas analytisch orientierte Leser wird die flüssige und beredte 
Dostojewski-Skizze in einem Zuge durchlesen, und ohne Widerspruch. 

(Neue Zürcher Zeitung.) 

Wer sich von der Behauptung beunruhigt fühlt, daß Dostojewski ein Chao- 
tiker gewesen sei, der alle Sympathien auf die Verbrecher gelegt habe, dem 
sei dieses Buch empfohlen. Man kann einen Dichter, der so subjektiv ist, nur 
dann ganz verstehen, wenn man seine Psychologie begreift. , 

Diese ruhigen Untersuchungen, die dem Dichter und Menschen rein analy- 
sierend nahezukommen suchen, heben aus ihm allgemeine, typische Züge heraus 
und lehren ihn menschlich verstehen. Dieses Verstehen aber birgt in sich zu- 
gleich das Vorbeugemittel gegen die suggestive Einflußgewalt, die von den 
Schöpfungen des russischen Dichters ausgeht. Die kühle Luft zerlegende Wissen- 
schaft nimmt den Gestalten das Bezwingende . . . Wir wissen um den Mecha- 
nismus dieser Welt, und sie wird uns nicht mehr zu willenlosen, blinden Ver- 
führten machen können. (Deutsche Allg. Zeitung.) 

Klar gefaßt und bringt Wesentliches zum Verständnis des großen russischen 
Ringers. (Schulreform.) 



INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCH EgfaULR LAG 

Wien VII. Andreasgasse 3 



SIGM. FREUD 

JENSEITS DES LUSTPRI 

Geheftet Mark 5. — , Pappband j.fo 

Eine geistvolle, feinsinnige Schrift, überaus weitgreifend und die ganze Sexualproblematik umspannend 
überraschend durch die Fülle der Gesichtspunkte und Ausblicke, vorsichtig; abwägend in der Gedanken- 
führung, fernab von starren Behauptungen . . . Das nicht zu unterschätzende Verdienst der Schrift, 
das auch dem Gegner der Psychoanalyse einleuchten mul5, besteht vor allem darin, daß hier der 
großartige Versuch gemacht wird, von fachwissenschaftlicher (psychoanalytischer) Beobachtung des 
Trieblebens, insbesondere des Sexualtriebes aus und auf Grund des dabei gefundenen „Wiedorholungs- 
zwunges" in dem „Streben nach Wiederherstellung eines früheren Zustandes" ein Prinzip aufzustellen, 
das jenseits dos rein psychologischen Lustprinzips dem gesamten Geschehen in der Wirklichkeit eine 
einheitliche Deutung gibt und insbesondere sogar den sonst unversöhnlichen Gegensatz „Leben— Tod" 




kühn zu überbrücken imstande ist. 



(Zeitschrift für Sexualwissenschaft) 



Die Analyse macht hier dasjenige bewudt, wovon der Metaphysiker Schiller erklärte: die Götter hatten 
es gnädig mit Nacht und Grauen bedeckt. Dadurch entgöttert die Psychoanalyse das alte System. 

(Der Neue Merkur) 

MASSENPSYCHOLOGIE UND ICH-ANALYSE 

Geheftet Mark j.jo, Papphand 4. — 

Reich an Ideen, fesselnd und anregend zugleich; hat die Massenpsychologie als solche durch eine vertiefte 
Problemstellung bereichert und auf neue Bahnen geführt. (Kölner Viertel) alirs sehr. f. Sozialwiss.) 

Die Vorzüge Freudacher Darstellungsweise durchdringen auch dieses gedanklich bedeutsame Buch. 

(Zeitschr. f. Sexualwissenschaft) 
Anregend, mehr noch des Lobes: aufregend. (Vossische Zeitung) 

Die Bedeutung der psychoanalytischen Tiefenpsychologie, ihrer dynamischen und entwicklungsgeschicht- 
lichen Prinzipien und Methoden für die Massenpsychologie als einen der maßgebenden Faktoren des 
historischen Geschehens geht aus dein vorliegenden Werk deutlich hervor, so daß auch der Historiker 
und der Geisteswissenschaftler überhaupt viel Interessantes und Anregendes linden werden. 

(H'issen u-.d Leben, Zürich.) 

DAS ICH UND DAS ES 

Geheftet Mark 3. — , Pappband j.fo 

Die vorgetragenen Anschauungen auszugsweise wiederzugeben, ist nicht möglich; erscheint doch Freuds 
Darstellung in ihrer prägnanten Kürze nahezu selbst wie ein Auszug, wie eine Sammlung, möchte man 
sagen, von Thesen . . . Sich mit ihnen auseinandersetzen, heißt sie vorerst Stück für Stück durch- 
arbeiten. Dieser Aufgabe wird sich aber jeder — Gegner oder Anhänger — unterziehen müssen, da 
Grundprobleme nicht nur der Neurosenpathologie, sondern der Psychologie überhaupt aufgeworfen 
und entschieden werden, ja eines Bereiches schon jenseits der Psychologie, sofern sie nur Beschreibung 
bleiben will, Fragen nach der Struktur, der Genese, dem Sinn des Bewußtseins, der Persönlichkeit, des 
Ideals. Das Interesse des Gegenstandes und der glänzende Stil machen das Studium des Büchleins 
zu einem wahren Genuß. (WUner Med. Wochenschrift) 

Freud geht jetzt „weise und bedächtig" und überblickt das Terrain. Ich könnte auch sagen: er bringt 
sein Korn in die Scheuer. Das heißt: Freud sieht zu, was bei seiner Erwerbung herausschaut. 

(Vossische Zeitung) 

Wer bisher der Entwicklung der Freudschen Lehre mit Aufmerksamkeit gefolgt ist, wird erkennen, daß 
für Freud selbst eine neue Epoche beginnt. Von neuem verblüfft die unerhörte Kühnheit, mit dem diese 
neuen Vorstellungen gebildet und in Beziehung gesetzt werden. (Berliner Börsenzeitung) 

Die Ausführungen Freuds machen dem ewigen Vorwurfe gegen die Psychoanalyse ein Ende, daß sie 
allzu heroisch auf die Nachtseiten der menschlichen Natur eingestellt sei. Das Buch stärkt die Stellung 
der Freudschen Schule allen jenen gegenüber, die in dem ausschließlichen Betonen des Sexuallebens 
eine Einseitigkeit erblicken. (Neue Freie ^„^ 



Die drei obigen Schriften in einem Band 
Halbleinen Mark II. — ; Halbleder 14. — 



S I S Y P H O S 

ODEjR 

DIE GRENZEN DER ERZ I E H U N G 

VON 

^ 

D R SIEGFRIED BERN FELD 

Geheftet Mark J. — , Ganzleinen 6.JO 

Hier rechnet einer flott und gründlich mit Praxis und Theorie der Erziehung ab. Ein 
unvorhergesehener Überfall auf Verlogenheit, die sich in Sicherheit wähnt, muß wohl auch 
diese auf wühlerisch „unzeitgemäße Betrachtung" eines unbequemen Zeitgenossen zunächst 
hauptsächlich nur auf Leser rechnen, die sie als Pamphlet schmähen werden, allerdings ohne 
das Buch vor der letzten Zeile aus der Hand geben zu können. Vor allem verblüfft hier die 
psychoanalytische Herkunft dieser rhapsodischen Stellungnahme und fesselt das Wie und Warum 
dieses hemmungslosen Bekenntnisses eines Freudianers zum radikalen Sozialismus. In der 
an Jean Paul gemahnenden, anekdotisch instrumentierten Melodie eines „enthusiastischen 
Pessimisten" tritt uns eine Entschlossenheit des Gedankens und der Tat entgegen, die mehr als 
alles Schulmeisterische den Erzieher, den Erzieher im nächsten und im fernsten Sinne, auf- 
weist. 

Der geistreichste unter den Schülern des großen, genialen Sigmund Freud hat da den 
Pädagogen ein Büchlein gewidmet, das sie hoffentlich lesen und sobald nicht vergessen 
werden. Ich meinerseits glaube, daß seit langem im fragwürdigen Bereich der Pädagogik 
keine wichtigere Erscheinung zu verzeichnen war, als diese Schrift. Übrigens auch keine 
bei allem bitteren Ernst witzigere und vergnüglichere . . . Bernfelds zentrale These wird 
für manchen etwas Erschreckendes haben . . . Aber ob wir die Gedankengänge dieses merk- 
würdigen Büchleins nun als unverhoffte Bestätigung eigener Ansichten oder als unbequeme 
Störung des pädagogischen Burgfriedens empfinden: wir werden nicht an ihm vorbei können, 
nicht an ihm vorbei dürfen. So sei es denn nachdrücklichst empfohlen — allen denen 
Erziehung nicht nur Reflexbewegung, sondern auch eine immer neue Angelegenheit ihres 
Nachdenkens ist. Gustav Wyneken im „Berliner Tageblatt" 

Das ist Tubaton gegen das Treiben befugter und weniger befugter Erziehungskünstler, die sich 
erschreckend vermehren und auf die Kinder stürzen. Ehedem versuchte man es mit strenger 
Erziehung; Knüppeldick und Hungergurt feierten sadistische Orgien. Das ist nun ins Gegen- 
teil umgeschlagen. Bände pädagogischer Zeitschriften werden mit dem Schlagwort: lieben und 
ermutigen ! angefüllt, so daß alle Tanten von Europa zu tun bekommen, um die Kinderchen 
zu ermutigen, während Mutter die Suppe kocht . . . Ein geistreicher Beobachter der jungen 
Brut hat ein Buch herausgebracht, daß er mit kühnem Mute „Sisyphos" nennt . . . Bernfeld 
sieht die Welt von einer Brücke, deren Köpfe auf Freud gestützt sind und auf Marx. 
Die bürgerliche Gesellschaft sieht er als einen Ozean der Lüge, auf dem die angeblichen 
Ziele der Erziehung treiben wie verfaulte Schiffstrümmer . . . Vernichtungstrieb und Liebe 
sind Scylla und Charybdis aller Einzelerziehung. Diesen Gedanken führt Bernfeld jm Haupt- 
teil seines Buches in einem fast zu großartigen Bogen durch, der ihn über Psychoanalyse 
und prähistorisch-anthropologische Spekulationen bis in die Politik und ihren Macchiavellis- 
mus führt. . . . Bernfeld wird wohl recht haben, wenn er sich alles vom Gemeinschafts- 
leben der Jugend erhofft, womöglich ganz ohne Erwachsene. Dahin geht der Zug der Zeit 
und das ist Antipädagogik. Man soll das Kind unter seinesgleichen aufwachsen lassen. Die 
rasende Pädagogik, die in die Herde der Kinder einbricht, um sich da auszutoben — gleich- 
gültig ob in Liebe oder in Haß — bleibt immer verdächtig, auch im Schafspelz . . . Erst 
wenn wir unsere Kinder in Ruhe lassen werden, erst dann ist das Jahrhundert des Kindes 
gekommen. Fritz Witteis im „Tag" 









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